Videoblog: „Die europäische Künstliche Intelligenz ist besser als ihr Ruf!“

Liegt die europäische KI wirklich so weit hinter der KI aus den USA und China zurück? Peter Seeberg sagt: Nein, das ist nicht der Fall. Zudem soll die KI hierzulande den Menschen dienen, und nicht so sehr den Unternehmen und Staaten.

Peter Seeberg als ausgewiesener KI-Experte war auf der Hannover Messe 2019 sehr aktiv, inklusive eigenem Vortrag gleich am ersten Tag. Der Tenor seines Talks lässt sich recht einfach zusammenfassen:

Die europäischen Maschinenbauer werden künftig zeigen, was mithilfe der Embedded KI resp. den richtigen Machine-Learning-Algorithmen alles möglich ist.

Dabei hat sich Peter unter anderem dem weit verbreiteten Vorurteil gewidmet, dass die großen KI-Projekte hauptsächlich in den USA und in China stattfinden. Denn das stimmt seiner Meinung nach nur in Teilen. Wenn es um B2C-Projekte geht, sind uns andere Länder möglicherweise voraus. Sobald man aber die B2B-relevanten KI-Aktivitäten betrachtet, hat Europa auf diesem Markt die Nase ganz klar vorn. In diesem Kontext sieht Peter es als ganz wesentlich an, dass die KI verstärkt innerhalb von Industrielösungen zum Einsatz kommen sollte.

Von der Mär, die USA und China seien Europa in Sachen KI weit voraus

Mag sein, dass frühere Erfolge bei deutschen resp. europäischen Unternehmen in Sachen KI eine gewisse Lethargie verursacht haben. So wurde bereits vor 20 Jahren das Autonome Fahren, in dem ganz viel KI steckt, in der Bundeswehrhochschule in Neubiberg, Bayern, „erfunden“. Aber auch LSTM (Long Short-Term Memory) ist eine deutsche Erfindung und sorgt heute dafür, dass der kommunikative, KI-gestützte Austausch mit Alexa, Siri und Co. immer besser funktioniert.

Hinzu kommt obendrein, dass vor allem die USA und China deutlich mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema Künstliche Intelligenz vorzuweisen haben. Was schnell zu der Annahme führen kann, dass diese Nationen den Europäern im Vorteil sind, was die KI betrifft. Nur entpuppt sich das immer wieder als gern erzählte Mär.

Wie Europa mit einer ethischen KI punkten kann und sollte

Ein Beschluss der Europäischen Kommission vom April letzten Jahres gibt ganz klar die Richtung vor, wie Europa – und damit auch Deutschland – die Künstliche Intelligenz verstanden haben will. So sollen künftige KI-Projekte und -Anwendungen vor allem am Menschen ausgerichtet sein, also ethische Standards entwickelt werden, die sicherstellen, dass die KI speziell der Allgemeinheit nützt.

Im Vergleich dazu stehen in anderen Ländern bei der Förderungen neuer KI-Anwendungen die Unternehmen und der Staat im Vordergrund, so wie das beispielsweise in den USA bzw. China der Fall ist. So spielt in diesem Bereich natürlich auch das Geld eine wesentliche Rolle. So gibt es Städte in China, die für die KI mehr ausgeben als Europa insgesamt, was ein erheblicher Standortnachteil ist. Aber, so sagt Peter Seeberg, liegt es eben an den europäischen KI-Experten, diesen Nachteil durch besseres Know-how und zielgerichtete Projekte wettzumachen.

Darüber hinaus hat Peter einen großen Wusch, vor allem an die Politik: Jedem Bundesbürger und Europäer sollte die Möglichkeit eingeräumt werden, sich mindestens eine Stunde lang über das Thema KI informieren zu dürfen, und das am besten auf Kosten des Staates. Denn nur wenn die zahlreichen Vorurteile und Ängste, die um das Thema Künstliche Intelligenz ranken, aus den Köpfen verschwinden, können auch KI-Projekte erfolgreich sein.

Das komplette Interview mit Peter Seeberg