Patchkabel gelten als Verbrauchsmaterial und werden häufig nach Stückpreis bestellt. Das Preisgefälle zwischen Anbietern ist groß, und die Kategorie-Angabe auf der Verpackung sagt wenig darüber aus, was im Mantel steckt. Fehler zeigen sich leider erst im Betrieb, als sporadische Ausfälle, die später niemand mehr dem Einkauf zuordnet.
Wo billige Kabel typischerweise schwächeln
Die Mängel liegen selten sichtbar an der Oberfläche. Häufig sind Leiter mit zu geringem Querschnitt, eine ungenaue Steckermontage, eine fehlerhafte Beschaltung der Adernpaare oder ein Leitermaterial, das nicht zur Kategorie passt. In die Hand genommen, fällt das nicht auf.
Eine Stichprobe im Wareneingang bringt Klarheit. Mit einem Netzwerktester von RS lässt sich in Sekunden prüfen, ob jede Ader durchgängig ist, die Paare korrekt belegt sind und kein Kurzschluss vorliegt. Das deckt die gröbsten Fehler auf. Ob die Leiter tatsächlich aus Kupfer bestehen, zeigt ein einfacher Durchgangstest allerdings nicht in jedem Fall. Dafür braucht es weitere Schritte.
Kupferkaschiertes Aluminium: Das Problem hinter dem niedrigen Preis
Besonders verbreitet sind bei günstigen Netzwerkkabeln Leiter aus kupferkaschiertem Aluminium, kurz CCA. Dabei besteht der Kern des Leiters aus Aluminium und wird von einer dünnen Kupferschicht umgeben. Von außen ist der Unterschied zu einem reinen Kupferleiter kaum zu erkennen. Aluminium hat jedoch einen höheren elektrischen Widerstand als Kupfer. Bei gleicher Leitfähigkeit muss deshalb ein größerer Leiterquerschnitt verwendet werden. CCA-Leiter können außerdem leichter sein als vergleichbare Kupferleiter.
Für den Einkauf ist deshalb entscheidend, welches Leitermaterial tatsächlich verwendet wird. Die Kategorieangabe auf der Verpackung allein sagt darüber wenig aus. Bei Netzwerkkabeln spielen neben den Leitern auch Aufbau und Belegung der Adernpaare eine wichtige Rolle. Einen Überblick über die verschiedenen Bauarten und Bezeichnungen von Twisted-Pair-Kabeln bietet das deutschsprachige Elektronik-Kompendium.
Ein einfacher Durchgangstest reicht allerdings nicht aus, um CCA sicher zu erkennen. Wer die Materialqualität einer Lieferung überprüfen möchte, sollte deshalb zusätzlich die Angaben im Datenblatt kontrollieren und bei einer Stichprobe den Leiterquerschnitt beziehungsweise das Leitermaterial überprüfen. Auch ein Gewichtsvergleich kann einen ersten Hinweis geben, da Aluminium deutlich leichter als Kupfer ist. Für eine eindeutige Prüfung sind spezielle Messverfahren erforderlich.
Was die Ersparnis tatsächlich bringt
Ein Patchkabel kostet im Einkauf wenige Euro. Ein Technikereinsatz zur Fehlersuche kostet ein Vielfaches, und er fällt an, bevor jemand das Kabel verdächtigt. Wer erst Switch, Port und Endgerät tauscht, hat die Ursache oft schon mehrfach gesucht, bevor sie gefunden wird.
Prüfkriterien für die Bestellung
Im Datenblatt sollte das Leitermaterial ausdrücklich genannt sein, am besten als Kupfer mit Angabe des Leiterquerschnitts nach AWG. Fehlt diese Angabe, ist das ein Warnsignal. Seriöse Hersteller nennen außerdem die Norm, nach der geprüft wurde, und stellen auf Anfrage einen Prüfbericht bereit. Auch der Aufdruck auf dem Mantel lohnt einen Blick. Hilfreich ist zusätzlich ein Gewichtsvergleich, denn ein Kabel mit Aluminiumkern ist spürbar leichter als eines mit Kupferleitern gleicher Bauart.
Wer sichergehen will, schneidet ein Muster auf und ritzt die Kupferschicht an. Kommt darunter ein silbriges Metall zum Vorschein, handelt es sich um Aluminium. Zertifizierungsmessgeräte weisen CCA ebenfalls nach, unter anderem über die Widerstandsunsymmetrie.
Wareneingang als feste Stufe
Sinnvoll ist ein einfacher Ablauf: Bei jeder Lieferung wird eine Stichprobe mit dem Netzwerktester geprüft, bei neuen Lieferanten zusätzlich ein Muster aufgeschnitten. Das Ergebnis wird mit der Lieferscheinnummer festgehalten. Fällt ein Kabel durch, geht die gesamte Charge zurück, bevor sie im Netz verbaut ist.
Der Aufwand liegt bei einer Viertelstunde pro Lieferung. Bei hundert Kabeln reichen zehn als Stichprobe. Wichtig ist, dass Einkauf und IT dieselben Kriterien verwenden, damit nicht der Preis allein über die Bestellung entscheidet.
Disclaimer: Diesen Blogbeitrag habe ich im Auftrag und im Namen von awisee veröffentlicht.

