Mendix World 2019: (M)ein Rückblick

geschätzter Leseaufwand: 4 Minuten

Zwei Tage, rund 5.000 Teilnehmer, zwei Keynote-Präsentationen, mehr als 60 Vorträge rund um Low-Code – das war die Mendix World 2019. Dabei spielte vor allem die Mendix-Entwicklerumgebung eine tragende Rolle, aber auch die Kooperationen von Mendix und Siemens sowie Mendix und SAP. Beides war an zwei Tagen in Rotterdam omnipräsent.

Siemens und Mendix: Ein Zusammenschluss mit Potential

Auf der Mendix World 2019 wurde es mehr als klar: Siemens hat Mendix nicht nur gekauft, um für 600 Millionen Euro an seine eigene Low-Code-Plattform heranzukommen. Denn neben der Integration des Cloud-basierten IIoT-Betriebssystem MindSphere in die Mendix-Plattform sollen sämtliche Low-Code-Funktionen und -Möglichkeiten Siemens selbst zur Verfügung stehen.

Folge: Auf der Mendix World wurde „MindSphere for Mendix“ offiziell bekannt gegeben. Damit gilt die nahtlose Integration der Low-Code-Entwicklungsumgebung von Mendix in Siemens MindSphere als vollzogen. Darüber hinaus erachtet Siemens die Akquisition von Mendix als Gelegenheit, die eigene digitale Transformation auf Basis von Low-Code-Anwendungen weiter voranzutreiben.

Videoblog: „Siemens und Mendix werden voneinander profitieren und lernen“

Mendix und SAP: HANA-Datenbank integriert

Zwar ist Mendix im Gegensatz zu dem Siemens-Konstrukt kein technischer und/oder betriebswirtschaftlicher Ableger von SAP, aber auch hier steht die technische Integration der Mendix-Technik in die bestehende SAP-Infrastruktur im Vordergrund. So verkauft SAP unter der Bezeichnung „SAP Cloud Platform Rapid Application Development by Mendix“ sämtliche Mendix-Dienste quasi unter eigenem Namen.

Das bringt natürlich Vorteile für alle Beteiligten. Dazu zählt auf Seiten der Technik die Integration der Mendix-Plattform in die In-Memory-Datenbank SAP HANA. Damit können Low-Code-Entwicklern die volle Leistungsfähigkeit der HANA-Storage-Technologie nutzen.

Der Mittelstand kann von Low-Code profitieren

Fragt man den deutschen Mendix-Chef Frederik Goergen nach den Möglichkeiten, die Low-Code dem Mittelstand bietet, sieht der zweierlei. Zum einen, dass viele familiengeführte Unternehmen zwar ihr „Handwerk“ verstehen, aber zum anderen mit den digitalen Abläufen und Prozessen oft komplett überfordert sind. Denn für die digitale Transformation sind oft neue, teils individuell programmierte Applikationen erforderlich. Diese wiederum lassen sich bisher nur von Software-Spezialisten „bauen“, und an denen mangelt es vielen mittelständischen Firmen.

An dieser Stelle kommt Low-Code ins Spiel, denn damit sollen sich Anwendungen mit relativ geringem Programmieraufwand und -wissen konzipieren und entwickeln lassen. Mit diesen Methoden ist die Entwicklung von Software um einiges einfacher als bisher, und auch das Fachkräfte-Dilemma lässt sich damit recht gut auflösen. So können IT-affine Anwender auf einmal Applikationen entwerfen, aber auch Informatikstudenten können helfen, die dringend benötigten Anwendungen bereitzustellen.

Videoblog: „Der Mittelstand kann von Low-Code profitieren“

Der Mittelstand setzt zunehmend auf Mendix und Low-Code

Kein Wunder also, dass sich zunehmend auch der deutsche Mittelstand mit dem Thema Low-Code beschäftigt. So setzt beispielsweise Continental auf die Mendix-Plattform. Dort sollen in die Jahre gekommene Lotus-Domino-Applikationen in Low-Code-Anwendungen überführt werden. Das belegt auch die Kooperation von Siemens und Volkswagen im Bereich digitale Produktionsumgebung.

Aber auch die Stadtwerke Bielefeld stellen gerade in Teilen auf Low-Code um, genauso wie das Fertigungsunternehmen Andritz aus dem österreichischen Graz, das für die Digitalisierung seiner Prozesse auf Mendix und SAP setzt und bereits etwa 18 Anwendungen realisiert hat. Das sind nur einige von vielen Beispielen, die recht gut die Low-Code-Bewegung im Mittelstand illustrieren.

Der Umstieg auf die Low-Code-Technik birgt zahlreiche Vorteile in sich

Doch warum, fragt man sich, steigt Continental von einer bewährten Lotus Domino-Lösung auf die Low-Code-Technik um? Nun, dies hat vor allem betriebswirtschaftliche Gründe. Denn laut Entwicklungschef Sven Fleischer wurde eine bestehende Domino-basierte Anwendung bereits schon vor einigen Jahren auf eine neue Domino-Plattform übertragen. Dieser „Umstieg“ dauerte mit einem kompletten Entwicklerteam mehr als ein Jahr.

Dieselbe Applikation wurde jetzt mithilfe der Mendix Low-Code-Plattform in eine neue Applikation überführt. Hierfür haben zwei Low-Code-Entwickler gerade einmal drei Monate benötigt. Dafür hat Sven Fleischer während unseres Gespräch nur eine Bemerkung parat „Wahnsinnige Beschleunigung, immens!“

Videoblog: „Der Umstieg von Lotus Domino auf Mendix gelingt äußert ressourcensparend“

Mendix 8 bietet im wesentlichen acht Verbesserungen und Neuheiten

Die Keynote-Präsentation von Mendix-CTO Johan den Haan war vollgespickt mit Neuheiten und Verbesserungen der Mendix-Entwicklerplattform, was er unter der Ankündigung „Mendix 8“ vorstellte. Zu den Highlights zählten unter anderem:

  • Mendix Studio bietet auch weniger erfahrenen Programmierern und IT-Anwendern eine Entwicklungsumgebung, mit deren Hilfe neue Applikationen entstehen können, und das ohne größere Programmierkenntnisse. „No-Code“, wie Mendix das nennt.
  • Die Low-Code-Programmierumgebung Studio Pro wurde verbessert. Dazu gehört unter anderem der optimierte Mendix AI Assistant, der auf Basis von KI-Algorithmen Fehler erkennt und ausmerzt. Diese zweite Generation fungiert also als „Detektiv“, indem logische Programmierfehler aufgespürt und korrigiert werden. Damit lassen sich laut Mendix bereits während der Programmierarbeit bis zu 90 Prozent der typischen Coding-Fehler vermeiden.
  • Zur bereits vorhandenen Mendix-Cloud gesellen sich weitere Multi-Cloud-Optionen. Damit können Low-Code- und No-Code-Anwendungen auch auf Cloud-Umgebungen von SAP, IBM, Red Hat und mehr implementiert werden.
  • Mit der Ankündigung „SAP on Mendix“ lässt sich die SAP HANA-Datenbanktechnik innerhalb von Mendix-basierten Low-/No-Code-Anwendungen nativ einsetzen.
  • Der Mendix Data Hub erlaubt das Zusammenführen von Daten aus den unterschiedlichsten Quellen innerhalb einer Mendix-Anwendung. Damit lassen sich diese dort gemeinsam nutzen.
  • Mit „Mendix for MindSphere“ steht das IIoT-Betriebssystem von Siemens innerhalb der Mendix-Plattform nativ zur Verfügung. Das erlaubt das Erstellen industrielle Anwendungen mithilfe von Low-/No-Code.
  • „Mendix for Native Mobile“ ermöglicht mobile Anwendungen, die sich sowohl im On- wie auch im Offline-Betrieb nutzen lassen und zudem über Funktionen und Merkmale von Smartphone- und Tablet-Apps verfügen.

Künstliche Intelligenz in Low-Code-Anwendungen mit Mendix

Wie bereits erwähnt steht in Mendix Studio und Studio Pro der KI-Assistent Mendix AI Assist zur Verfügung. Damit wird man als Entwickler bei seiner Arbeit von KI-Routinen unterstützt. Doch das ist nur der Anfang, denn bisher wird der KI-Assistent lediglich im Bereich Programmierung aktiv. Zu einem späteren Zeitpunkt soll die KI-Engine auch für das Entwickeln der Anwendung (Application Design) und das Testen und Ausführen der Applikationen zum Einsatz kommen.

Videoblog: „Die Zukunft von Low-Code ist nicht Low-Code, sondern KI-unterstützte Programmierung“

Fazit: Mendix, Siemens und SAP haben gemeinsam eine ganze Menge vor

Auf der Mendix World war es an allen Ecken und Enden zu spüren: Die Low-Code-Bewegung kommt gerade erst richtig in Schwung. Und dank der Schwergewichte Siemens und SAP wird es Mendix wohl schaffen, weiterhin für Furore in einem Markt zu sorgen, der laut des Marktforschungsunternehmens Forrester bis 2020 etwa 15,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt haben wird.