Cebit Brücke

Abgesang auf eine Messe: Lebe wohl, du Cebit!

2018 – 1992, das macht genau 27 Jahre. 27 mal Hin- und Rückfahrt nach Hannover. 27 mal Koffer ein- und wieder auspacken. 27 mal Cebit.

Ok, genau genommen waren es nur 26 mal Cebit, da ich tatsächlich 2013 nicht den Weg  in die niedersächsische Landeshauptstadt gefunden habe. Und schon dieses eine Mal war schmerzhaft für mich, und jetzt soll es ganz und gar vorbei sein?! Das kann und mag ich mir noch gar nicht vorstellen. Zumal die Cebit immer so etwas wie „nach Hause“ kommen bedeutete. Schließlich bin ich ganz in der Nähe von Hannover aufgewachsen.

Schmerzhaft? Da werden sicherlich die Augenbrauen des ein oder anderen Lesers noch oben wandern. Ja, ich mochte sie, diese viele Jahre lang größte Computermesse der Welt (auch wenn die Kolleg*innen von CES und Computex das auch nie so richtig glauben wollten). Und ich habe alle Phasen der Cebit mitgemacht. Die guten und die weniger guten.

1992: Für Intel als Spracherkennungsexperte

Angefangen hat das – wie gesagt – 1992. Damals habe ich noch studiert und war das erste Mal für Intel auf der Cebit. Dort habe ich eine Woche lang (zusammen mit meinem Bruder) die Faszination der PC-gestützten Spracherkennung zum Leben erweckt. So haben wir sieben Tage lang (inklusive Wochenende) immer und immer wieder den immer gleichen Text eingesprochen, und das Diktierprogramm (Dragon Dictate, das es in einer ähnlichen Form immer noch gibt) hat daraus Text gezaubert. Viele Besucher waren seinerzeit ziemlich beeindruckt ob der hohen Trefferquote. Was vor allem daran lag, dass die Software sehr gut trainiert war.

Das Jahr drauf habe ich das noch mal gemacht, und dieses Mal ganz alleine. Wieder habe ich eine Woche lang diktiert und diktiert und diktiert, sodass meine Stimme sieben Tage später eine ganze Oktave tiefer klang. Oder so ähnlich. Es hat auf jeden Fall wieder unfassbaren Spaß gemacht.

Das war übrigens die Zeit der legendären Standpartys. Da hat der Chef einer großen Elektronikmarktkette einfach mal so ein paar tausend D-Mark hingeblättert, damit die Fete weitergehen und die Leute weitertanzen konnten. Ja, auch das war immer mit sehr viel Spaß verbunden.

1995: Viele Tage und Nächte für Intel auf der Cebit

Ab 1995 war ich dann als festangestellter Intel-Mann auf der Cebit, und das war nicht immer Spaß. So waren ich und meine Kollegen (nur Männer) zwei Wochen lang in Hannover, um sicherzustellen, dass die komplette Hard- und Software nebst Netzwerktechnik am Intel-Stand funktionieren. Da waren viele Nachtschichten dabei, und am Ende lief immer alles wie am Schnürchen. Unvergessen sind auch hier die Partys, dieses Mal am eigenen Stand. Damals gab es diesen einen Spruch: „Work hard, dance hard!“. Und daran haben wir uns immer gehalten.

Die „Sunny Side“ der Cebit – als IT-Journalist

Dann, nach meinem Ausstieg bei Intel und meinem Einstieg in die Redaktionswelt, bot sich für mich  von der Cebit ein ganz neues Bild. Auf einmal gab es keine Nachtschichten mehr, auf einmal war ich der „Star“. Unvergessen sind die Toshiba-Zug-Fahrten nach Hannover, inklusive Verpflegung und Entertainment. Ok, die Unterkünfte waren bescheidener als zu meinen Intel-Zeiten, aber dafür wurde ich als Schreiberling hofiert und mit Geschenken bedacht. Ja, auch das war eine gute Zeit.

Das war auch die Zeit, als die Cebit noch so etwas wie ein alljährliches Klassentreffen war. So begab man sich im Laufe eines Tages mehrmals ins zentral gelegene Pressezentrum, um bei Kaffee oder Bier das ein oder andere Schwätzchen zu halten und sich mit den Kolleg*innen über die neuesten Neuigkeiten auf der Cebit auszutauschen. Das hatte immer etwas sehr Verbindendes.

Klar, das wurde nicht weniger, aber es hat sich in all den Jahren doch zusehends verändert. Die Kolleg*innen kamen immer seltener auf nach Hannover, weil die Redaktionen kleiner und kleiner wurden. Schon damals (ich spreche hier von Anfang/Mitte 2000) wurde der schleichende Abstieg bei den Besucherzahlen deutlich, was sich auch im abnehmenden Interesse seitens der IT-Verlage und -Journalist*innen widerspiegelte.

Cebit-Besucherzahlen 1986 bis 2013

Cebit-Besucherzahlen 1986 bis 2013

2006: Mein Leben als IT-Blogger und wieder eine neue Cebit-Zeitrechnung

Cebit Presseausweis2006 war ich dann zum ersten Mal als Blogger auf der Cebit, und es war großartig! Wir (Richard Joerges und ich) stellten unsere neu gegründete Blogplattform insight-infonet diversen Firmen vor, und es kam insgesamt sehr gut an. Richtig verdient haben wir damit zwar nie etwas, aber vor allem für mich war es der perfekte Einstieg in die Bloggerei. Von der ich ja bis heute seht gut leben kann.

Ein weiterer Wendepunkt in meiner Cebit-Historie war das Jahr 2014. Da war ich für IBM zum ersten Mal auf der Messe in Hannover und durfte dort zahlreiche Videointerviews mit IBM-Partnern und -Experten führen. Das war immer großartig und ich habe immer eine Menge gelernt. Dieser Trend ließ sich die Jahre danach weiter fortsetzen, und so war für mich die Cebit immer eine wichtige Veranstaltung, wenn es um das Akquirieren neuer Themen und neuer Kunden ging. Und ja, die Unterkünfte wurden in der Zeit auch wieder ein ganzes Stück besser. Auch dank AirBnB.

Cebit Unterkunft

2018 als Neuanfang – und dann doch das schnelle Aus

Um so erfreulicher und mutiger fand ich dann den Neuanfang der Cebit in diesem Jahr. Damit sollte so eine Art South by Southwest in Niedersachsen etabliert werden. Klar knirschte es noch an einigen Stellen, doch die ersten Schritte und Versuche in eine neue Cebit-Ära fand ich sehr ermutigend und richtig. Was sich vor allem im Zentralbereich rund um den EXPO Plaza widerspiegelte. Aber letzten Endes war das der Messegesellschaft wohl zu wenig – vor allem in Sachen Besucher- und Ausstellerzahlen. Aber so ist das halt, wenn man nur die Quantität, und nicht die Qualität einer Veranstaltung im Blick hat.

Mach’s gut, Cebit! War immer schön mit dir!

So bleibt mir nur noch zu sagen: Ich werde dich vermissen, Cebit, mit all deinen zahllosen Zufuß-Kilometern, deinen zu schlecht belüfteten Hallen, deinem zu ungesunden Essen. Und vor allem werde ich die zahlreichen Gespräche mit tollen und interessanten Menschen vermissen. Aber die treffe ich ja hoffentlich in Zukunft auf anderen Events.