Review: Samsung Local Developers Day

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An alle, denen es nicht so aufgefallen sein sollte: die letzten Tage waren ganz schön „busy“, was auch eine Menge mit Reiseaktivitäten meinerseits zu tun hatte. So war ich letzten Freitag auf dem Samsung Local Developers Day zu Frankfurt, am Montag auf dem Blackberry Developers Days in Hamburg und dann folgte am Dienstag noch ein Tweetup in München mit Josh Bancroft von Intel, der sich beim Chiphersteller maßgeblich um das Thema Social Media kümmert.

Um daraus nicht einen Monsterbeitrag zu machen, verteile ich die drei Events auf drei Beiträge, was dann so etwas wie eine Miniserie ergibt. Ich hoffe, ihr habt Spaß daran und könnt die ein oder andere Erkenntnis daraus ziehen.

Um es vorweg zu nehmen: Die Location des Samsung Local Developers Day (SLDD) war ziemlich gut, das Event war toll organisiert und ich habe einen der 100 Samsung Wave gewonnen, die Samsung unter allen teilnehmenden Besuchern verlost hat (erste Eindrücke zum neuen Flaggschiff von Samsung folgen). Was allerdings während des Developers Day klar wurde: Samsung steht noch eine ganze Menge Arbeit bevor, um Entwickler zu finden, die sich intensiv mit Bada beschäftigen wollen.

Um den Einstieg ein wenig zu erleichtern, war der SLDD vollgepackt mit interessanten Einblicken in das brandneue Mobile-OS von Samsung, das wohl eher Google als Apple das Fürchten lehren soll. Um dies zu untermauern, war auf dem SLDD unter anderem zu hören:

  • Samsung ist bei den verkauften Touch-Smartphones lt. GFK in Deutschland Nummer eins, und das Samsung Wave wird wohl demnächst in Sachen verkaufte Stückzahlen in Deutschland das iPhone überholen. Samsung schätzt darüber hinaus, dass sie bis Ende 2011 etwa 20 Millionen Bada-Smartphones verticken werden.
  • Es gibt bereits diverse lokale, also deutschsprachige Samsung Apps., wie zum Beispiel von Xing, der Deutschen Post, HRS und der Deutschen Bahn. Ein Blick in den Samsung Apps Store zeigt allerdings, dass es bisher noch nicht so richtig viele mobile Anwendungen in den Onlinestore geschafft haben. Allerdings ist Deutschland mit einem Anteil von 25 Prozent Nummer 1 in Sachen Samsung-Apps-Download.
  • Bada bietet neben den üblichen Features wie Multitouch und Bewegungssensoren auch eine Gesichtserkennung ab Werk, mit der sich wirklich coole Apps bauen lassen, wie wir später von TICmobile gelernt haben. Hierfür bietet Samsung diverse Entwicklertools (Eclipse), ein Bada-SDK, ein eigenes CMS und Verkaufshilfen wie In-App-Purchase.
  • Samsung hat sich hohe Ziele gesetzt: eines Tages soll Bada auf allen Samsung-Touchscreen-Smartphones laufen. Allerdings sieht Samsung ihre Bada-Smartphones nicht auf Augenhöhe mit dem iPhone, sondern will ihre Geräte eher im Niedrigpreis-Segment positionieren. Hoffentlich wird damit aus den Bada-Phones kein iPhone für Arme!?
  • Das iTunes-Pendant von Samsung heißt KIES. Dahinter verbirgt sich ein Desktop-Client, den es zunächst nur für Windows gibt. Mögliche Apple-User bleiben also außen vor. Und von weitem sieht KIES sogar ein bisschen aus wie iTunes.
  • Beim Vermarkten von Bada-Apps greift Samsung ihren Entwicklern mächtig unter die Arme: So sollen diverse Marketingmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden: etwa Banner, Rabatte und event-bezogene Aktionen wie zum Beispiel zur laufenden Fußball-WM. Was keine Überraschung ist: 70 Prozent der Apps-Umsätze gehen an den Entwickler, der Rest an Samsung.
  • Das Einreichen von Bada-Apps in den Samsung-Store scheint sich ähnlich aufwändig zu gestalten wie für iOS-Entwickler. So müssen sich Bada-Anwendungen vernünftig bedienen lassen, vollständig kompatibel mit den Samsung-Smartphones sein und den Samsung-Richtlinien entsprechen, wobei diese fast noch enger gefasst sind als die von Apple. Sollte man bei Samsung nichts aus den Apple-Fehlern gelernt haben?! Oder wie habe ich selbst dazu (sinngemäß) getwittert:

Samsung-Apps sollten keine externen Verkaufslinks aufweisen, möglichst Karikatur-frei sein, nicht für Bier Werbung machen und keine Hinweise auf Beate-Uhse-Shops in sich bergen.

  • Die App-Zertifizierung seitens Samsung sieht drei Schritte vor: Content Review, Device Test und Confirmation. Dabei versprechen sie, dass der gesamte Prozess nicht mehr als sieben Tage pro Bada-App in Anspruch nehmen soll. Das wäre natürlich ganz ordentlich. Sehr praktisch ist auch die Checkliste von Samsung, mit deren Hilfe Bada-Entwickler vor dem Einreichen ihrer App überprüfen können, ob ihre Anwendunge wohl in den Store kommt. Und falls eine App seitens Samsung abgelehnt wird, geschieht dies mithilfe geeigneter Bilder oder Videoclips, die das jeweilige Probleme entsprechend dokumentieren.
  • Natürlich gab es auch ein wenig zum Thema App-Entwicklung zu hören. Samsung offeriert eine komplette Entwicklerumgebung, die auf Eclipse basiert und einen rudimentären UI-Builder sowie einen Simulator bietet, mit dem sich Bada-Apps per Software testen lassen. Toll in diesem Zusammenhang ist der Event Injector, mit dem komplexe Funktionen einer Bada-App getestet werden können, wie GPS, Netwzerk, etc. Und natürlich gibt es auch ein Bada-SDK, das sich derzeit noch im Beta-Zustand befindet.
  • Was ich aus Entwicklersicht ziemlich überraschend fand war die Tatsache, dass Samsung mit seiner C++-Variante für Bada keinerlei Exception-Handling unterstützt, und damit die Verantwortung für fehler- und absturzfreie Apps komplett an den Programmierer abgibt, der dafür sorgen muss, dass Speicherbereiche reserviert und wieder freigegeben werden! Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Da Samsung wie die meisten ihrer Konkurrenten unter der Last einer recht großen Fragmentierung der eigenen Geräte stöhnt,muss natürlich darauf geachtet werden, dass vor allem die rechenschwächeren Modelle nicht von rechenintensiven Aufgaben wie eben Exception-Handling in die Knie gezwungen werden.

So, und wer sich noch ausführlicher über Bada informieren will, sollte die zugehörige Webseite aufsuchen.