Die (immer noch) vier hartnäckigsten WLAN-Vorurteile

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die vier schlimmsten vorurteile gegenueber wlanDie einen verteufeln sie, die anderen lieben die drahtlosen Vorzüge des Lebens: Die Rede ist von Wireless LAN, der kabellosen Netzwerktechnik, die sich seit vielen Jahren in Haushalten und Firmen durchgesetzt hat. Was aber sind die größten Vorurteile, denen sich die drahtlose Form des Datenaustauschs und Internetzugangs hartnäckig erwehren muss? IT-techBLOG ist den vier schlimmsten Vorbehalten nachgegangen und belegt, dass sie meist auf Stimmungsmache oder nicht ausreichendem Wissen beruhen.

Vorurteil I: Drahtlose Netzwerke (WLANs) sind beliebte Angriffsziele von Hackern

Klar, Luft kennt keine Grenzen, und daher sind WLANs natürlich angreifbarer als beispielsweise kabelgebundene Ethernet-Netzwerke. Zudem erhöht sich dank neuer Techniken wie MIMO und dem künftigen Wifi-Standard 802.11n die Reichweite und damit die Angriffsfläche. Aber die Ingenieure der lokalen Drahtlos-Technik haben die Sicherheit nicht vernachlässigt und stellen ausreichende Mechanismen zur Verfügung, mit deren Hilfe Wireless LANs abgesichert werden können.

Hierzu zählen einerseits Authentifizierungstechniken wie WPA2, die mittels robuster Schlüssel sowohl den Zugang ins WLAN schützen als auch für die Verschlüsselung der Daten von A nach B zuständig sind. Und sofern der WLAN-Router mit einem entsprechend sicheren Initialschlüssel versehen wird, ist WPA2 nahezu unknackbar. Eine noch sicherere Form von WPA2 ist übrigens die RADIUS-basierte Authentifizierung gemäß 802.1x, die vorwiegend in Firmen eingesetzt wird und einen Server erfordert, der Benutzerdaten zentral sichert und beim Login ins WLAN zur Verfügung stellt.

Andere oft erwähnte Sicherheitsvorkehrungen wie eine MAC-Adressliste, versteckte SSIDs und das Abschalten der DHCP-Funktion sind zwar nette Beigaben, stellen aber keinen echten Schutz dar, da sie mit einfachen Mitteln umgangen werden können. Eine weitere Möglichkeit, den WLAN-Router etwas weniger angreifbar zu machen, ist das (automatische) Reduzieren der Sendeleistung und damit Verringern der Reichweite, falls der WLAN-Router dies unterstützt und diese Sicherheitsmaßnahme im jeweiligen Fall überhaupt sinnvoll ist.

Vorurteil II: Drahtlosnetzwerke stellen ein gesundheitliches Risiko dar
Vor allem gegen neu zu installierende Funkmasten, die ankommende UMTS-Signale weiterleiten sollen, wird immer wieder Stimmung gemacht und Protest eingelegt. Klar, der Gedanke daran, dass auf dem eigenen Hausdach eine riesige Mobilfunkantenne thront, ist wahrlich kein schöner Gedanke. Aber erstens verhalten sie Funkwellen radial, das heißt, die Strahlenwirkung entfaltet sich nicht „nach unten“œ, sondern „zur Seite“œ, und zweitens kann man GSM-Strahlen (und dazu gehört UMTS) nicht mit WLAN-Funk vergleichen.

Nur um mal bei den Fakten zu bleiben: Ein aktuelles Handy emittiert zirka ein Watt, bei WLAN-Routern gemäß des Standards 802.11g sind es gerade mal 100 mW. Das bedeutet also, dass zwischen der Handy- und WLAN-Strahlung der Faktor 10 liegt. Wenn man zudem bedenkt, dass die Stärke der Funkwellen im quadratischen Verhältnis zur Entfernung des Verursachers abnimmt, kann man sich vorstellen, wie viel Strahlung übrig bleibt, wenn sie beim Anwender ankommt.

Nicht umsonst nennt sich das 2,4-GHz-Frequenzband, auf dem 802.11g-WLANs funken, „ISM“œ, was für „Industry, Science, Medicine“œ steht. Denn die IEEE 802.11, das zuständige und unabhängige WLAN-Konsortium in den USA, hat seinerzeit bei der Ratifizierung des WLAN-Standards der Strahlenbelastung einen solch hohen Stellenwert eingeräumt, dass sie den Einsatz drahtloser 11g-Netze selbst in Krankenhäusern für unbedenklich hielt und hält.

Vorurteil III: Wireless LANs lassen sich nur von Experten einrichten
Ich selbst saß (oder besser: stand) während der CeBIT 2008 auf einer Expertenrunde zum Thema Draft-n herum und habe halbwegs schlaue Dinge zum Thema WLAN von mir gegeben. Ein Fazit unserer Diskussionsrunde war: Die Hersteller müssen sich um die problemlose Installation und Einrichtung eines Wireless LANs kümmern. Die gute Nachricht lautet: mittlerweile beteiligen sich die meisten daran.

Zum einen statten Anbieter wie AVM ihre WLAN-Router mit vorinstallierten Sicherheitsvorkehrungen aus, die das WLAN von Hause aus möglichst sicher machen sollen. Aber auch das Übertragen dieser Sicherheitsmerkmale vom Router auf sämtliche WLAN-Rechner im lokalen Netz funktioniert mehr und mehr automatisch. Auch hier ist AVM als Vorbild zu nennen, die das Einrichten des WLANs mithilfe ihres eigenen WLAN-Sticks ermöglichen (was allerdings nicht ganz billig ist).

Windows liefert übrigens hierfür die passende Technik, die sich WCN (Wireless Connect Now) nennt und der sich immer mehr Hersteller bedienen. Sie sehen also: WLANs lassen sich nicht mehr ausschließlich von Experten und solchen, die sich dafür halten, in wenigen Minuten einrichten.

Vorurteil IV: Drahtlose Netze sind für Highspeed-Anwendungen ungeeignet
Es gab mal eine Zeit, da funkte das heimische WLAN mit schlappen 11 MBit/s, was in der Praxis meist nicht mehr als 5 MBit/s, also 640 KByte/s waren. Damit ließ maximal ein Musikstück auf MP3-Basis durch den Aether schicken, für Videos oder ähnlichen bandbreiten-intensiven Schickschnack war die Funkleitung nicht ausgelegt.

Dann kam der Nachfolger mit der Bezeichnung 802.11g und die Ingenieure der IEEE legten fest, dass sich mit diesem Wifi-Standard bis zu 54 MBit/s übertragen lassen. Tests zeigen, dass bei 20 MBit/s meist Schluss ist, und das auch nur unter wirklich guten Bedingungen wie freie Sicht zwischen WLAN-Router und -Client. 20 Mbit/s reichen zwar für die Übertragung vom Videos aus, aber HD-fähiges Materials sollte es nicht sein, und selbst hochkodierte MPEG4-Streams bringen solch eine Funkverbindung zum Stottern.

Wie gut, dass der Nachfolgestandard 802.11n bereits vor den Toren steht (genauer gesagt: Anfang 2009) und mit ihm mehr Bandbreite und mehr Reichweite. In der Theorie sind es 300 Mbit/s, die natürlich nicht erreicht werden können. Gute Testwerte liegen derzeit zwischen 70 und 80 Mbit/s, womit sich selbst HD-taugliche Videos in Echtzeit von A nach B übertragen lassen. Und das könnte sich sogar noch verbessern, wenn der endgültige Standard IEEE 802.11n vorliegt.

Praxistipp: Momentan werden die besten Übertragungswerte immer noch innerhalb eines WLANs erreicht, das sich aus den notwendigen Komponenten eines einzigen Herstellers rekrutiert.