Okay, nachdem gestern der erste Teil meiner Event-Trilogie “Bada, Blackberry, Tweetup” erfolgreich online gegangen ist, folgt heute der zweite Streich, der sich mit dem Blackberry Developers Day beschäftigt. Der BDD fand direkt in der Speicherstadt der Hansestadt Hamburg statt, was sich auf den ersten Blick als ziemlich coole, im zweiten allerdings auch als recht unruhige Location herausstellte, da direkt nebenan große Baustellenfahrzeuge ihr Unwesen trieben.
Nichtsdestotrotz, die Veranstaltung war vollgepackt mit wichtigen und weniger wichtigen Erkenntnissen, die ich hier zusammenfassen will:
- Die schlechte Nachricht: das Funknetzwerk war ziemlich lahm. Ich weiß natürlich nicht, ob’s an meinem iPad lag oder doch an der Infrastruktur des Veranstaltungsorts, aber streckenweise war selbst das Twittern ein wenig mühsam. Aber zum Glück ging es dann doch ganz gut. Außerdem hat mich die Simultanübersetzung ziemlich genervt, sodass ich den Kopfhörer ziemlich schnell wieder abgestreift habe. Das geht nämlich gar nicht, wenn die Übersetzerin ständig die Sprechgewohnheiten der Präsentierenden in die Übersetzung einbaut. Auf solchen Veranstaltungen geht es mir um die Fakten und nicht um Lokalkolorit.
- Erstaunlich fand ich die Erkenntnis, dass mittlerweile die Consumer-Geräte von Blackberry dabei helfen, dass der Hersteller in den USA nach wie vor Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern ist. Das ist angesichts der Tatsache, dass Blackberry aus dem Business-Umfeld kommt, fast eine kleine Sensation.
- Blackberry Super Apps sind nachhaltige, mobile Anwendungen, die die Leute nicht nur einmal benutzen. So scheint beispielsweise der Blackberry-Messenger der große Renner zu sein, zumindest bei den UK-Kids in und um London.
- Zum Thema “Consumer Apps” gewährte dann die Firma ISEC7 Einblicke in ihre Sicht der Dinge. Da Consumer-Apps ganz anderen Gesetzen unterliegen als Business-Anwendungen, ist es immens wichtig, einen ausführlichen Beta-Test durchzuführen. Nicht, dass die Anwender die Fehler finden, nachdem sie die App gekauft haben. Zudem sind Consumer-Anwender laut ISEC7 ziemlich unberechenbar: So lässt sich die Nutzungshäufigkeit einer App kaum vorherbestimmen, echte “Poweruser” kann man ebenso wenig vorhersagen und auf welchen Geräten die Apps laufen werden, ist im Consumer-Umfeld auch eher Spekulation.
- Ein weiterer Tipp des ISEC7-Mannes lautete: Kenne deinen Markt. So war beispielsweise der Blackberry Curve 2009 in den USA das meistverkaufte Smartphone. Also sollte man daraus ableiten, das diejenigen Apps am besten verkauft werden, die den Curve optimal unterstützen und dessen Fähigkeiten am besten ausnutzen.
- Die Geräte-pro-Blackberry-OS-Version-Folie zeigte es sehr deutlich: Blackberry hat – wie Samsung, Android und all die anderen auch – an der eigenen Geräte- und OS-Versionsvielfalt richtig zu knabbern. Denn dank der üppigen Fragmentierung ist es für Software-Entwickler nicht immer leicht, ihre Apps so zu programmieren, dass sie auf möglichst vielen Blackberry-Modellen laufen. Das beginnt bei den unterschiedlichen Eingabemöglichkeiten und endet bei den verschiedenen Displaygrößen und den zugehörigen Auflösungen.
- Worauf der typische Blackberry-Anwender echt zu stehen scheint, sind möglichst viele individuelle, schicke Themes, mit denen sich das eigene Smartphone ganz nach Belieben aufpeppen lässt. Aus diesem Grund gibt es das Blackberry Theme Studio, mit dessen Hilfe recht einfach und schnell Themes gebaut werden können – und das per Drag’n'Drop. Die zugehörige Demo sah ganz vielversprechend aus.
- Blackberry hat – genauso wie Samsung übrigens auch – die Macht von lokalen Entwicklergruppen entdeckt. So bildet sich gerade die Blackberry Developer Community in Berlin, weitere Städte wie Hamburg sollen folgen. Das konnte man übrigens auch auf dem Samsung Local Developers Day in Frankfurt bestaunen: Dort waren 12 sogenannte “Samsung Advocates” zugegegen, die am Ende der Verstaltung ihre eigene, persönliche Q&A-Session veranstalteten. So konnten erste Fragen rund um Bada beantwortet werden. Das hat mir auf dem Blackberry-Event ein wenig gefehlt.
- Der Blackberry-Browser hat wohl einiges zu bieten: So unterstützt er Push-Messages in umfangreichem Maße, aber auch den Acid-3-Test soll der Webbrowser von Blackberry zu 100 Prozent absolviert haben – was für einen mobilen Browser eine echte Meisterleistung wäre. Sehr praktisch ist auch die Fähigkeit des Browsers, Formulare offline auszufüllen und diese zu versenden, sobald das Smartphone wieder online ist.
- Mit Blackberry-Widgets kann man als Entwickler auf sämtliche APIs zugreifen, und das natürlich ganz W3C-konform. Die Widget-Programmierung ist allerdings erst mit der Blackberry-OS-Version 5 verfügbar.
- Nach dem (sehr leckeren) Mittagessen wurde es dann ein wenig technischer, wenngleich mich die ganze Zeit das Gefühl beschlich, dass die Präsentation letztlich doch sehr viel mit Marketing zu tun hatte, nur in Entwickler-Folien gekleidet. Es ging aber zumindest an der einen oder anderen Stelle um die nächste Firmware-Version 6.0, die wohl erst im vierten Quartal auf Blackberry-Geräte kommt. Außerdem wollte sich die anwesende Blackberry-Frau nich allzu sehr in die Karten sehen lassen, da Ende September die weltweite Blackberry Entwicklerkonferenz in San Francisco stattfindet.
- Die Software-Entwicklung für Blackberry-Geräte findet komplett in Java statt. So kann man ab der Version 5 halbwegs schicke GUIs bauen, und mit der sechsten Version soll das noch viel schöner werden. Darüber hinaus kann man ab Version 6 Animations-APIs für die Spieleprogrammierung nutzen, ganz neue Online- und Offline-Suchalgorithmen einsetzen, mit BrowserField2 Webseiten effizienter programmieren und vieles mehr.
- Interessant fand ich auch den Hinweis, dass man mit dem Blackberry JDE Plugin für Eclipse Apps mühelos debuggen kann, und das im Simulationsmodus und direkt auf den jeweiligen Testgeräten. Schade nur, dass bis dato nur Eclipse für Windows von Blackberry unterstützt wird. Schuld daran ist wohl der Simulator, der sich nicht ohne weiteres auf Linux oder andere Betriebssysteme portieren lässt.
- Zu guter Letzt gab es noch ein paar Infos zur Blackberry App World: so werden dort zur Zeit etwa eine Million Downloads pro Tag generiert, und das bei 8.000 Anwendungen. Die dort verfügbaren Blackberry-Apps lassen sich entweder per Kreditkarte oder via Telefonrechnung bezahlen, was dem App-Store-Erfolg helfen soll.
So, und falls ihr jetzt Lust bekommen habt, mehr zum Thema “Blackberry und die Software-Entwicklung” zu erfahren, hilft euch bestimmt die zugehörige Webseite weiter.
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