Wenn Webseite und Produkt quasi identisch sind, mag das als erster Hinweis schon recht aussagekräftig sein.

So schien es mir zumindest beim Besuch von imcosys.com, der Internetseite der gleichnamigen ImCoSys AG aus Zug in der Schweiz. Denn die Webseite ist von ihrer Anmutung her ziemlich antiquiert, und so scheint auch das bisher einzige Produkt des Schweizer Untermehmens zu sein.

Obgleich sich mir dir Frage stellt, ob es sich überhaupt um eine reale Firma handelt, da nicht mal ein Impressum auf der Seite zu finden ist (und ob das mit geltendem Recht in der Schweiz vereinbar ist, bleibt ebenfalls unklar). (Update: Mittlerweile hat ImCoSys die Webseite überarbeitet.)

Wie dem auch sei: das Smartphone von ImCoSys hat auf den ersten Blick das Potenzial zum echten Ladenhüter. So ist beispielsweise der verbaute OMAP-730-Prozessor von Texas Instruments kein echtes Wunderding, wird er doch lediglich mit 200 MHz betrieben.

Andere neue Minicomputer wie der Pocket Look C550 von Fujitsu Siemens ist mit dem hochmodernen XScale-Prozessor ausgestattet, der mit 520 MHz getaktet wird. Wenngleich es sich dabei nicht um ein Smartphone handelt.

Weitere seltsame Entscheidung der ImCoSys-Entwickler: Ihr Smartphone verfügt über keinen Erweiterungsschacht, in dem sich beispielsweise eine Speicherkarte unterbringen ließe. Dies ist umso erstaunlicher, da der PDA über einen eingebauten GPS-Empfänger verfügt.

Damit lässt sich das Gerät um notwendiges Kartenmaterial nur umständlich via PC erweitern, was auch an dem recht bescheidenen Speicher von maximal 128 MB (64 Flash, 64 SDRAM) scheitern dürfte.

Update: Die ursprünglich veröffentlichten technischen Daten waren fehlerhaft. Tatsächlich besitzt das Gerät einem SD-Karten-Slot. Dadurch steigt der Nutzwert des Gerätes erheblich.

Dass es dazu möglicherweise gar nicht kommt, liegt auch an dem Betriebsssystem, das ImCoSys ihrem Smartphone spendiert hat: Denn für Linux im Smartphone-Format dürften sich kaum Anwendungen finden, die das Gerät unterstützt. Immerhin ist die PDA/Telefonkombi mit wichtigen Programmen wie SMS-Nachrichten, E-Mail, Kalender, etc. ausgestattet.

Mit Schnittstellen hingegen geizt das Smartphone von ImCoSys nicht: Es bietet mit GPRS, GSM (Quadband), Wireless LAN, Bluetooth, USB und seriellem Port alles, was man für die Verbindung mit Hotspot, PC & Co. so braucht.

Allerdings hat ImCoSys auch hier gespart: Es wird lediglich der langsamere Wifi-Standard IEEE 802.11b unterstützt, und auch die Bluetooth-Version 1.2 ist nicht das, was man von einem neuen Gerät erwarten kann (aktuell ist Bluetooth 2.0).

Immerhin schlagen sich die Mängel in der Ausstattung im Preis nieder: So soll das ImCoSys Smartphone rund 300 Euro kosten, was für ein neues Smartphone durchaus günstig ist. Geplanter Einführungstermin ist Juni 2006.

Kategorien: EventsMobile

Michael Hülskötter

Ich bin Blogger, IT-Journalist, (Buch-)Autor, Videotrainer, Content Manager – und das alles in einer Person. Ich gehöre seit 1999 der schreibenden Zunft an, und es macht mir immer noch sehr viel Spaß. Lebe seit 1977 in München und habe drei wundervolle Kinder.

2 Kommentare

odin2 · Samstag, 25. Februar 2006 um 16:05

Die „Kompetenz“ oder eben Inkompetenz eine Artikels zeigen sich in den Details, im obigen zumindest, hat der Schreibende in mehrfacher Hinsicht versagt:

Das Gerät verfügt selbstverständlich über einen SD-Slot (auf http://www.linuxdevices.com sind Bilder publiziert, auf welchen der Slot gut erkennbar ist; ist auch auf der ImCoSys-Website der Fall).

Auch muss in der Schweiz und dies sollte wirklich jetzt dann irgendwann mal jedem klar sein, kein Impressung in einer Website angegeben werden (insesondere dann, wenn er sich herausnimmt, einer Gesellschaft unseriöse Geschäftstätigkeit anzudichten). Bei kurzer Prüfung des Schweizer Handelsregisters wird ersichtlich, dass die Gesellschaft korrekt eingetragen ist und durchaus renommierte Personen im Verwaltungsrat engagiert sind.

Der Schreibende hat, vermutlich in seiner Unwissenheit als Consumer, wichtige Detail „übersehen“:

Das Gerät verfügt als eines der ganz wenigen zwei externe Schnittstellen für Antennen – eine für GSM und eine für GPS. In Kombination mit Linux wird einem Fachmann durchaus in den Sinn kommen, dass dieses Gerät eher im nützlichen denn im spielerischen Bereich anzusiedeln ist. Ich gehe davon aus, dass der Schreibende noch immer nicht begriffen hat, dass hohe Prozessorleistung auch einen direkten Einfluss auf die Batterieleistung hat. Es könnte daher durchaus sein, dass die Schweizer mit Ihrem Gerät einen Kompromiss zwischen Stromverbrauch und Leistung eingegangen sind. Fragwürdig wird ein Artikel dann, wenn ein Smartphone mit einem anderen Gerät verglichen wird, welches nicht auch ein Smartphone ist und man dann noch über den Prozessor meckert.

Ich persönlich werde mir das Gerät an der Messe anschauen und dann ein Urteil fällen .. aber eben, „Spezialisten“ gibt es ja an fast jedem Küchentisch und die schreiben bereits Artikel ohne das Gerät jemals in Händen gehalten zu haben.

Mike · Sonntag, 26. Februar 2006 um 12:17

Lieber Odin,

erst mal vielen Dank für Ihre sachlichen Ausführungen.

Zu Ihren Anmerkungen:

Zunächst muss ich konstatieren, dass ich die News auf Basis einer Web-Meldung abgesetzt habe. Auch dort wurden Produktdetails beispielsweise bzgl. des fehlenden SD-Slots genannt, die mittlerweile diesbezüglich aktualisiert wurden (erkennbar am Zusatz „update“). Daraus lässt sich folgern, dass der Hersteller in Sachen PR lückenhafte Arbeit geleistet hat und aufgrund dieser und anderer Meldungen weitere Infos zum Produkt nachträglich veröffentlicht hat.

Darüber hinaus waren nämlich zusätzliche Infos zu dem Produkt leider nicht verfügbar, da die Webseite des Herstellers, so wie sie jetzt online ist, an dem Tag meiner News noch nicht exisitierte (der Screenshot in der Meldung war tatsächlich alles, was zu dem Produkt vorhanden war.)

Ok, ich bin kein Spezialist im Schweizer Recht, habe aber ja auch ganz bewusst und – zugegebenermaßen – etwas provokativ die Frage gestellt, ob das so rechtens ist.

Dass eine hohe Prozessorleistung immer einen hohen Stromverbrauch nach sich zieht, ist ja wohl nicht zutreffend. Da hilft ein Blick in die Centrino-, aber auch Xscale-Spezifikationen, die entsprechende Stromspar- und andere Techniken vorsehen, die diesem Problem gerecht werden.

Und dass ich das Smartphone von ImCoSys mit einem Pocket PC verglichen habe (was natürlich nicht ganz ok ist), räume ich in meinem Artikel ebenfalls ein.

Fazit: Auch ich werde mir das Gerät auf der CeBIT ansehen; dann können wir ja unsere Ergebnisse und Ansichten gerne teilen.

In diesem Sinne
Mike.

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