Wie die aufmerksamsten Follower meines Twitter-Streams eventuell mitbekommen haben, weilte ich letzte Woche auf dem weltweit größten Mobile-Event, dem Mobile World Congress, der wie jedes Jahr in Barcelona stattfand. Mal abgesehen vom Wetter der ersten Tage hatte ich eine richtig gute Zeit in der Hauptstadt Kataloniens, was nicht nur an den After-Hour-Parties lag.
Der Montag begann erst mal mit Schlange stehen: Da Intel und Nokia zu einer gemeinsamen Pressekonferenz geladen und die Organisatoren mit einem derartigen Andrang wohl nicht gerechnet hatten, staute sich die PK-lüsterne Meute bis auf die Straße. So war es dann auch nicht besonders erstaunlich, dass ich keinen Zutritt in den großen Saal fand. War aber auch nicht so tragisch, da sie immerhin eine große Leinwand aufgehängt hatten, auf der man das Geschehen gut verfolgen konnte.
Besonders interessant war aus meiner Sicht als Intel-Techblogger die große Neuigkeit, die Intel und Nokia zu verkünden hatten. Und was dabei heraus kam, war schon ziemlich bedeutend, zumindest für die Entwicklerclique dieser Welt: Nokias mobile Linux-Plattform Maemo und Intels Linux-Derivat für mobile Geräte, Moblin, verschmelzen sehr bald (es ist von Q2-2010 die Rede) zu einer gemeinsamen Plattform, die es in Zukunft ermöglichen soll, Aps für mobile Geräte der unterschiedlichsten Couleur zu entwickeln, und das optimalerweise nur einmal. Das Motto dazu lautet: “Develop once, distribute multiple!”. Mal sehen, wie sich das in der Realität verhalten wird. Ach ja, das neue mobile Linux wird MeeGo heißen und unter der Oberaufsicht der Linux Foundation stehen.
Nach der erfolgreichen Bloggerei und Twitterei vom MeeGo-Event ging es dann zurück an den Intel-Stand, der sich in Halle 7 befand und interessierten Entwicklern und Besuchern die Möglichkeit bot, mehr über Netbooks, zugehörigen Moblin-Apps, den Intel-eigenen Appstore und das Intel Atom Developer Program zu erfahren. Dass hierfür ein gutes Dutzend Software-Entwickler wechselweise am Stand waren, erwies sich als sehr hilf- und lehrreich.
So erfuhr ich beispielsweise von Amnon Shenfeld, wie sich seine Firma EyeSight die Steuerung mobiler Endgeräte in Zukunft vorstellt. EyeSight hat hierzu ein Verfahren entwickelt, das beispielsweise die eingebaute Webcam eines Netbooks zu Gestensteuerungszwecken einsetzt. So kann man mithilfe einfacher Handbewegungen durch Bildergallerien blättern oder seine geöffneten Programm steuern. Die Wii und Mac OS lassen schön grüßen!
Bei der nächsten Software-Demo war ich mir nicht sofort sicher, ob ich das gut oder weniger gut finden sollte. Denn wer braucht schon einen DVD-Player fürs Netbook. Aber zum einen läuft der Fluendo DVD-Player unter Moblin und bietet zum anderen all die Funktionen, die man von herkömmlichen DVD-Wiedergabeprogrammen kennt. Und mit einem externen DVD-Laufwerk am Mini-Notebook kann man ganz bequem Hollywood-Streifen gucken. Für echte Cineasten eben…
Was die Fluendo-Demo an Enthusiasmus vermissen ließ, entfacht die Fuugo-App umso mehr. Mithilfe dieser Fernsehsoftware, die auf Netbooks und MIDs läuft und für Moblin programmiert wurde, entsteht ein ganz neuer TV-Gedanke. Fuugo bringt nämlich ganz viel Interaktivität in die Fernsehstunden am mobilen Gadget: Sei es in Form von Chats zwischen TV-Zuschauern oder in Form von Tweets und Facebook-Nachrichten, die man während einer laufenden Sendung absetzen kann. Fernsehen kann also doch mehr sein als der reine TV-Konsum.
Ich zähle mich zwar zu den audiophilen Zeitgenossen, aber meine Bemühungen in Sachen Vinyl und Co. sind doch einigermaßen überschaubar. Daher nenne ich einen Musikserver mein Eigen, auf dem all meine Musik als MP3-Dateien katalogisiert und gespeichert sind. Daher fand ich die PopCatcher-Demo, die uns CEO Jakob Berg eigenhändig vorführte, besonders spannend. Mit dieser Moblin-App für mobile Geräte lassen sich Audiostreams aus dem Internet (aka Internetradio) als einzelne MP3-Stücke auf die Platte oder Flashspeicher ablegen. Das Tolle daran: Die Software erkennt, wann die Musik beginnt und wieder stoppt und nimmt damit nur das Musikstück auf. Ergo: Werbung und das Geplapper der Radiomoderatoren fallen durch den digitalen Rost.
Dass sich Netbooks und 3D-Games nicht automatisch ausschließen, zeigte uns Henric Suuronen von Digital Chocolate anhand seines Top-Selling-Games Tower Bloxx Deluxe, das unter Moblin läuft und ursprünglich als Java-Spiel das Welt der Games erblicke. Und über den Umweg iPhone landete das Geschicklichkeitsspiel auf dem Netbook, dass Henric auf dem Intel-Stand dabei hatte.
Die Photoflow-Demo von Scalado erinnerte mich doch sehr an die Cover-Flow-Funktion, die Apple mit Mac OS 10.5 (Leopard) implementiert hat. Hinter Photoflow verbirgt sich allerdings ein hocheffizienter, wohl durchdachter Algorithmus, mit dessen Hilfe Bildergallerien hochaufgelöster Fotos und Grafiken blitzschnell dargestellt werden können. Und mit einem Fingertipp (einen berührungsempfindlichen Bildschirm vorausgesetzt) öffnet sich das Bild ruckzuck in seiner ganzen Schönheit. Und das funktioniet auf einem MID oder Netbook ohne nennenswerte Ruckler oder Aussetzer. Wow!
Ich gehöre halbwegs zu den Last.fm-Fans, und so gesehen fand ich den nativen Moblin-Client, den Juan José Sánchez Penas der zuständigen Softwareschmiede igalia dabei hatte, sehr gut umgesetzt. Die mobile App bietet alles, was man von solch einem Client erwarten kann. Und daher wäre es nur logisch, wenn der igalia Last.fm-Client den Weg in den demnächst verfügbaren Moblin-Appstore von Intel finden würde.
Ansonsten fanden am Dienstag und Mittwoch vier wirklich interessante Techtalks statt, die Steve “Chippy” Paine und Sascha Pallenberg unter dem Label Meet:Mobility abhielten. Dabei ging es natürlich um die immerwährende Diskussion, wer ein Netbook und wer ein MID braucht und was alles auf solchen Geräten drauf sein sollte. Am Mittwoch war es besonders spannend: da erzählte einer der AppUp-Center-Verantwortlichen eine Menge über Intels Pläne in Sachen MeeGo, Netbook-Apps und vieles mehr. Und während der vierten Session kamen drei ausgewiesene Mobile-Spezialisten zusammen, um mit Steve und Sascha über den mobilen Markt 2010 zu reden. Sämtliche Sessions gehen übrigens auf der Webseite meetmobility.com online. Und darüber wird hier auch noch zu berichten sein…
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