Mein ganz persönlicher Rückblick auf die iPhone developer conference 2011

Zwei Tage, zahlreiche interessante Sessions um iOS & Co., eine „Coding Battle“ und eine Coding Night von und mit Ivo Wessel – das waren die zahlreichen Highlights der vierten Ausgabe der iPhone Developer Conference 2011. Aber es gab auch meine ganz persönlichen „Ahs“ und „Ohs“. Von alledem soll hier die Rede sein

Die Vorträge: Da eine Entwicklerkonferenz nicht nur zum Zwecke der Rund-um-die-Uhr-in-Vorträgen-sitzen da ist, habe ich mir ein paar Sessions herausgesucht, die leider nicht alle das hielten, was sie zu versprechen schienen.

So war „Drupal und iOS – ein starkes Team“ für meinen Geschmack viel zu Drupal-lastig. Der Referent wollte zwar ein iPad-Magazin vorstellen, das sich eines Drupal-Backends bedient, am Ende ging es aber nur ein bisschen um iOS und viel zu viel um Drupal. Was auch der Zeit geschuldet war, die dem Kollegen am Ende davon lief. Interessant fand ich aber seine Aussage, dass 81 Prozent aller iPad-Anwender etwa 8 bis 9 Euro pro Monat für eine digitale Tageszeitung ausgeben würden. Das ist doch mal eine Hausnummer.

Gleich im Anschluss wollte Reimund Schmald von Nuance ein wenig über das Thema „Mobiltelefon und Apps mit Sprache steuern“ sprechen. Das hat er zwar auch getan, aber doch sehr mit der Nuance-Brille, die er natürlich trug. Daher artete sein Vortrag zu einer Verkaufsveranstaltung aus, was nicht nur mir nicht gefallen hat, wenn man die zugehörigen Tweets ein wenig verfolgt hat. Ah ja, doch, er sprach gefühlte zwei Minuten über das Entwicklerprogramm NDEV, mit dem Nuance interessierten Developern ihre Sprach-API zur Verfügung stellen will. Teilweise gegen Geld, versteht sich. Immerhin ließ sich Kollege Schmald dazu hinreißen, die Beteiligung von Nuance an der Entwicklung von Siri publik zu machen. So öffentlich hat er das meines Wissens nach noch nie getan!

Die anschließende Session von Professor Dr. Bresges von der Uni zu Köln war zwar weniger werbelastig, zeigte aber letztlich auch viele Ansätze des E-Learning-Plattform Ilias, mit dem Dozenten und Studierende in Zukunft besser vernetzt werden können. Dabei waren allerdings schon sehr interessante Ansätze dabei, so wie diverse Apps, mit denen sich physikalische Lerninhalte besser und intuitiver begreifen lassen. Das hätte mir zu meiner Schulzeit bestimmt auch geholfen…

Auf Professor Bresges folgte Doktor Lutz Kohl von match2blue, der mithilfe von Java-Code auf einer iOS-Entwicklerkonferenz für das Developer-SDK matooi werben wollte. Und das auf einem Windows-Rechner. Zwei Skandälchen auf einmal…

Meine erste Session am zweiten Tag beschäftigte sich mit dem Thema „Agile Software-Entwicklung“. Das war schon sehr interessant. Dabei zeigte Sven Günther anschaulich, welche Vorteile die testgetriebene Software-Entwicklung bringt, dass man mithilfe von automatischen Akzeptanztests die fachliche Funktionalität einer App überprüfen kann, dass mit Betabuilder oder Testflight mobile Anwendungen „on the fly“ auf einem Testgerät landen, und vieles mehr. Good stuff, Mister Günther!

Der folgende Vortrag von Marcus Ross trug den etwas sperrigen Titel „Crossplattformentwicklung mit Titanium Mobile“, aber Marcus füllte seine Session mit derart viel Leben, dass man nie den Eindruck bekam, dass es sich hierbei um ein eher trockenes Thema handelte. Mit viel Enthusiasmus und Know-how ließ er uns teilhaben an der Titanium-Entwicklersuite  und wie sich mit dieser Umgebung mobile Anwendungen für iPhone, iPad und Android-Smartphones programmieren lassen. Bemerkenswert fand ich die Erkenntnis, das Titanium Mobile wie PhoneGap funktioniert, nur schnellere Apps ermöglicht, dass es bereits 200.000 registrierte Entwickler und etwa 25.000 Titanium-Mobile-Apps gibt und dass es zwei sehr anschauliche Coding-Beispiele zu sehen gab. Das ist es schließlich, was die Leute von einer Entwicklerkonferenz erwarten.

Ich hätte es eigentlich wissen sollen: die iCloud-Session, äh, -Keynote, brachte kaum neue Erkenntnisse, außer die: wenn du als Referent nicht auf die Bedenken und Zwischenrufe deiner Zuhörer eingehst, hast du eigentlich schon verloren. Schade irgendwie…

Der Veranstaltungsort: Das Radisson Blu präsentierte sich als passende Location: die gesamte Veranstaltung fand in einem großen, holzgetäfelten Bereich statt, so dass Räume suchen oder mangelnder Kontakt zu anderen Teilnehmern ausgeschlossen waren. Allerdings schien alles ein wenig zu klein bemessen zu sein, sodass sich die Veranstalter möglicherweise für das nächste Jahr schon wieder einen neuen Veranstaltungsort suchen dürfen. Dabei muss auch die Frage erlaubt sein, ob sich Köln als Entwickler-Event-Stadt wirklich eignet.

Die Organisation: Seitens der Neuen Mediengesellschaft Ulm gab es in Sachen Organisation nichts zu bemängeln (bis auf die fehlenden Schnittchen während der Abendveranstaltung vielleicht). Das Hotel selbst allerdings hat noch ein wenig dazuzulernen, wie solch eine Veranstaltung funktioniert. Denn fehlende Teller, zu wenig Personal und laues Essen dürfen auf solch einem Event einfach nicht vorkommen.

Der Ausstellerbereich: Nokia und Microsoft hatten sich zusammengetan, um auf der iPhone developer conference die anwesenden iOS-Entwickler von der Güte ihrer Plattform Windows Phone zu überzeugen. Ob das ihnen nachhaltig gelungen ist, kann ich nicht sagen. Der Stand war allerdings gut besucht, was auch an der Kaffeebar und an dem großen Automaten lag, in dem sich insgesamt vier Nokia Lumia 800 befanden, die einen neuen Besitzer suchten.

Die Abendveranstaltung: Zwei Sessions standen auf dem Programm: eine sogenannte Coding-Battle, die zeigen sollte, wie sich Windows-Phone-Apps programmieren lassen. Die Protagonisten hießen Oliver Scheer und Felix Rieseberg (der ja eigentlich Apple-Fanboy ist), die beide für Microsoft arbeiten und die eine sehr unterhaltsame und zugleich informative Show lieferten. Die Tools und Methoden, mit denen ihr Windows-Phone-Apps entwickeln könnt, scheinen ihre Zwecke wirklich zu erfüllen. Am Schluss gab es noch einen kleinen Quiz, an dem ich teilgenommen habe (obwohl ich eigentlich gar nicht wollte). Und was soll ich sagen: am Schluss besaß ich ein neues Lumia 800. Cool, oder?!

Während der Coding Night mit Ivo Wessel konnten die zahlreichen Anwesenden lernen, wie er die Konferenz-iPhone-App programmiert hat. Die Leute waren derart begeistert, dass sie am liebsten die ganze Nacht Ivos Worten gelauscht hätten. Um 22:30 Uhr war dann aber doch Schluss.

Mein Fazit: Die iPhone developer Conference 2011 bot sicherlich nicht für alle Beteiligten genug Coding-Sessions, wenngleich der zweite Tag für den ersten entschädigen konnte. Die Orga war gut, das Essen nicht so, die Kontakte waren toll und die zwei Tage haben sich alles in allem wirklich gelohnt. Mal sehen, wo und in welchem Rahmen die iPhone developer conference 2012 stattfinden wird. Man sieht sich!