Lexikon: Von Blende und Schärfentiefe

Die Blende eine Kamera besteht aus Lamellen, die sich beim Schließen wie eine Iris kreisförmig zusammenziehen und beim Öffnen wieder kreisförmig auseinander gehen. Vereinfacht gesagt wird die Blende benötigt um die Lichtmenge, die auf den Bildsensor (früher den Film) fällt, zu steuern. Das heißt, je nach manuell oder vom Motiv bzw. Belichtungsprogramm eingestellter „Blende“ fällt mal mehr, mal weniger Licht auf den Sensor.

Wozu braucht man das?
Vor allem um die Schärfentiefe (nicht Tiefenschärfe!) zu steuern. Je weiter die Blende offen ist, desto geringer ist die Schärfentiefe. Je weiter sie geschlossen ist, desto größer die Schärfentiefe.

Das müssen wir uns versinnbildlichen: Stellen wir uns die Lichtstrahlen, die durch das Objektiv und die Blende auf den Bildsensor fallen wie einen Kegel oder Trichter vor. Man spricht auch vom Bildwinkel. Ist die Blende weit geöffnet, ist der Kegel sehr weit. Je weiter die Blende geschlossen wird, desto schmaler und dünner wird der Kegel. Nun kommt die Schärfentiefe und die Schärfeebene ins Spiel.

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Angenommen, Sie fotografieren ein Objekt, dass vier Meter von der Kamera entfernt ist. Dieses Objekt hat freundlicherweise der Autofokus Ihrer Kamera für Sie scharf gestellt. Die vier Meter Entfernung vor Ihrer Kamera, genauer gesagt dem Objektiv Ihrer Kamera liegen, bilden die Schärfeebene. Das ist der Bereich, der hundertprozentig scharf ist. Dahinter und davor wird es mit zunehmendem Abstand immer unschärfer.

Die Schärfentiefe ist nun der Bereich vor und hinter der Schärfeebene, der noch als „scharf“ wahrgenommen wird. Je nach Blendenöffnung und verwendetem Objektiv können das wenige Zentimeter bis zu mehreren Metern oder sogar das komplette Bild sein. Im Bild unten sehen Sie, dass die Grashalme vor dem Löwen (unten links) unscharf sind. Genauso wie die hohen Halme hinter dem Löwen. Die Schärfentiefe reicht also von der Stelle kurz vor, bis kurz hinter dem Löwen. Alles andere verschwimmt.

Schärfentiefe (Foto: Richard Joerges)

Aber warum ändert sich die Schärfentiefe überhaupt? Gehen wir zurück zu unserem „Trichter- oder Kegel“-Beispiel. Wir haben gesagt, dass sich die Breite des Kegels ändert. Je kleiner die Blende, desto enger wird der Kegel. Er wird regelrecht zusammengequetscht. Salopp und physikalisch nicht ganz richtig gesagt gilt das auch für die darin enthaltene Schärfentiefe. Als ob sie aus Gummi wäre breitet sie sich mit kleiner werdender Blende nach vorne und hinten aus.

Sie merken schon: Der oben ins Spiel gebrachte „Kegel oder Trichter“ wird auch vom Objektiv beeinflusst, genauer gesagt von dessen Brennweite. Ein Weitwinkelobjektiv mit 28 mm Brennweite – der Name sagt es ja schon – hat einen großen Bildwinkel, ein Teleobjektiv mit, sagen wir mal 300 mm Brennweite hat einen kleinen Bildwinkel. Das heiß, der Kegel ist bei einem Weitwinkel von Haus aus breiter, bei einem Tele ist er enger.

Weil wir schon dabei sind: Auch die Entfernung zum Objekt beeinflusst die Schärfentiefe. Je näher sich das fokussierte Objekt an der Kamera befindet, desto kleiner die Schärfentiefe.

Portrait (Foto: Richard Joerges)Ein Beispiel für die Anwendung der Schärfentiefe: Angenommen, Sie wollen ein Portrait fotografieren. Dabei soll nur die Person scharf abgebildet sein, der Hintergrund (und eventuell Vordergrund) soll hingegen verschwimmen. Also brauchen Sie eine geringe Schärfentiefe. Deshalb müssen Sie mit mit weit geöffneter Blende fotografieren. Ganz genau so, wie in diesem Portrait-Foto.

Das Gegenteil davon ist die Landschaftsaufnahme. Hier möchten Sie vom Vordergrund bis in den Hintergrund jedes Detail scharf ablichten. Also brauchen Sie eine möglichst kleine Blendenöffnung.

Noch ein Beispiel dafür, wie die Schärfentiefe die Bildgestaltung beeinflusst. In diesem Foto ist die Schärfentiefe eher gering (größere Blende). Die Menschen im Hintergrund sind leicht verschwommen. Dadurch hebt sich der Darsteller stärker vom Hintergrund ab.

geringer Schärfentiefe (Foto: Richard Joerges)

Im nachfolgendem Foto hingegen ist die Schärfentiefe größer (weiter geschlossenere Blende). Dadurch scheinen die beiden Tänzerinnen mit dem Hintergrund zu verschmelzen. Das Foto wirkt weniger plastisch. Das kann durchaus ein gewolltes Stilmittel sein. In diesem Fall ruiniert es aber das Bild.

grosse Schärfentiefe (Foto: Richard Joerges)

Die Blende öffnen und schließen
Jetzt möchten Sie sicherlich noch wissen, wie Sie an Ihrer Digitalkamera die Blendenöffnung beeinflussen können. Stellen Sie einfach Ihre Kamera auf Zeitautomatik oder [A]. Dann können Sie je nach Kameramodell mit dem Wählrad, Auswahlkreuz oder einer anderen Taste die Blende vorwählen. Die Kamera berechnet dann automatisch die dafür passende Belichtungszeit (A=Aperture).

Viele Spiegelreflexkameras bieten noch eine weitere Möglichkeit: Im Modus [P], also der Programmautomatik, können Sie mit dem Wählrad das Verhältnis von Blende und Belichtungszeit ändern. Vorausgesetzt, die Lichtumstände und Lichtstärke des Objektivs lassen diese Variation zu.

Was aber, wenn Ihre Kamera keine Zeitautomatik besitzt? Dann können Sie immer noch eines der Motiv-Programme nehmen. Bei „Portrait“ beispielsweise ist die Blende eher weiter geöffnet. Bei „Landschaft“ wiederum ist sie eher weiter zu.

Und damit sind wir bei einem weiteren verwirrenden Sachverhalt bei der Fotografie: Die Blendenzahl und was eine große und kleine Blende ist. Mehr dazu lesen Sie im nächsten Teil des Lexikons „Blendenzahl – kleine und große Blende“.

Weil wir schon dabei sind: Ganz oben haben wir gesagt, dass die Blende die Menge des Lichts beeinflusst, die auf den Sensor bzw. den Film fällt. Das bedeutet: Bei kleiner Blendenöffnung kommt wenig Licht durch das Objektiv. Wie viel das tatsächlich ist und wie das mit der Qualität des Objektivs zusammen hängt, lesen Sie im kommenden Lexikon-Beitrag „Lichtstärke von Objektiven“.

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Published by Michael Hülskötter

Ich bin Blogger, IT-Journalist, (Buch-)Autor, Videotrainer, Content Manager - und das alles in einer Person. Ich gehöre seit 1999 der schreibenden Zunft an, und es macht mir immer noch sehr viel Spaß. Lebe seit 1977 in München und habe drei wundervolle Kinder.

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