iPhone-Apps auf Netbooks portieren

Zugegeben, die Games Developer Conference 2010 liegt schon wieder eine Weile zurück, aber gerade habe ich einen sehr interessanten Beitrag auf Appdeveloper.intel.com gefunden, der auf einem Interview mit Mike Kasprzak, CEO von Syhkronics, basiert. Syhkronics ist eine kanadische Entwicklerschmiede, die sich auf Casual Games spezialisiert hat und mit ihrem Erfolgstitel Smiles für das iPhone schon diverse Preise abräumen konnte.

In diesem Interview und Beitrag erzählt Mike davon, was seine Entwickler alles tun mussten, um das iPhone-Game auf ein Netbook zu portieren. Ich will hier gar nicht eine Fassung des Interviews abbilden, sondern nur die wirklich wichtigen Aussagen bezüglich der Software-Portierung wiedergeben:

  • Das Spiel basiert grafikseitig auf OpenGL, was ja sowohl von der PC- als auch iPhone-Plattform unterstützt wird. Objective-C-spezifische Konstrukte wurden einfach hinter C-Funktionen und Variablen “versteckt”. Damit konnten diese mit recht wenig Aufwand einfach umgeschrieben werden.
  • Die Unterschiede in Sachen Auflösung (480*320 versus 1024*600) konnte mithilfe eines kleinen Tricks recht elegant ausgeglichen werden: Anstatt eine feste Auflösung zu definieren, wird lediglich eine “Referenzauflösung” festgelegt (z.B. 480*320). Um daraus eine höhere Auflösung zu generieren, muss das GUI lediglich mit dem Faktor 2 skaliert werden, was eine 720p-Auflösung ergibt.
  • Der GMA950-Chipsatz, der in vielen Netbooks verbaut ist, skaliert doch viel besser, als Mike anfangs dachte. Verglichen mit dem im iPhone integrierten PowerVR-MBX-Grafikprozessor ist GM950 doppelt so schnell beim Rendern und ähnlichen Dingen, ohne dass die Gesamtleistung des Systems beeinträchtigt wird.
  • Das Navigieren des Spiels ist auch ohne Beschleunigungssensoren und Touchscreen kein Problem. Das Steuern erfolgt einfach mithilfe der Pfeiltasten, wie bei vielen anderen Windows-Spielen auch. Und mit einem Mausersatz wie dem Trackpad eines Netbooks sind sogar Steuerungsmechanismen möglich, die ein touchscreen-basierten Gerät wie das iPhone gar nicht bietet (Mouse-Over zum Beispiel). Im Falle von Smiles kommt tatsächlich nur das Trackpad zum Einsatz. Und die Abwesenheit des Beschleunigungssensors für das Kippen und Schwenken eines mobilen Gerätes werden einfach mit entsprechenden Rotationsschaltern innerhalb der Bedieneroberfläche von Smiles “emuliert”.
  • Das Gute an der Portierung: es ist eine Investion in die Zukunft. Denn schon sehr bald werden neben Netbooks MIDs, Smartphones und Tablet-PCs auf den Markt drängen, die alle dieselbe Prozessorplattform in sich tragen: Intel Atom. Damit lässt sich mit wenigen Handgriffen ein- und derselbe Spieletitel tausendfach zweit- und drittverwerten. Wenn das keine aussichtsreiche Perspektive für Spiele- und andere Entwickler ist.

Also, worauf wartet ihr noch …

Michael Hülskötter

http://www.mhuelskoetter.de

Ich bin Blogger, IT-Journalist, (Buch-)Autor, Videotrainer, Content Manager - und das alles in einer Person. Ich gehöre seit 1999 der schreibenden Zunft an, und es macht mir immer noch sehr viel Spaß. Lebe seit 1977 in München und habe drei wundervolle Kinder.

Weitere Beiträge des Autors

Meine sozialen Kanäle