iPhone 5s und iPhone 5c: Apple macht es wieder einmal vor

Gute gelaunt- Apple-CEO Tim Cook bei der Vorstellung von iPhone 5c und iPhone 5s

Gute gelaunt- Apple-CEO Tim Cook bei der Vorstellung von iPhone 5c und iPhone 5s

Vorgestern Abend, Punkt 19:00 Uhr MESZ, betrat ein gut gelaunter Mann in schwarzem Hemd und Bluejeans auf dem Apple-Campus die Bühne und begrüßte die anwesende Schar mit den Worten: „Good Morning!“ (Man beachte die neun Stunden Zeitverschiebung).

Der Grund, warum die vielen Menschen in Cupertino, aber auch in Beijing, Berlin und Tokio seinen Worten lauschten, war einfach: alle warteten auf neue Modelle der iPhone-Serie, genauer gesagt auf das iPhone 5c und das iPhone 5s.

Und alle waren sich sicher: das iPhone 5s kommt mit neuer Hardware und das iPhone 5c wird Apples Einstieg in das hartumkämpfte Marktsegment der Billigsmartphones. Die Frage lautete also nicht, ob, sondern nur, für wie viel.

Tja, und dann kam (fast) alles ein wenig anders.

Das iPhone 5s wird die Biometrie salonfähig machen

Das iPhone 5s wird die Biometrie salonfähig machen

Ja, das iPhone 5s weist einen Fingerabdrucksensor auf, mit dessen Hilfe man sein Lieblingssmartphone nicht mehr per vierstelliger PIN entriegeln muss, und der auch dafür sorgt, dass jeder App-Einkauf im iTunes Store biometrisch vollzogen werden kann. Tschüss, nerviges Kennwortgetippe.

Apple macht es also vor: Der Fingerabdruck wird sich als anerkanntes Legitimationsmerkmal etablieren. Ein Umstand, der Datenschützer und die Bundespolizei gleichermaßen in den Wahnsinn treiben dürfte.

Ja, das iPhone 5s kommt mit noch mehr Power unter der Glashaube daher. Der neue Prozessor auf ARM-Basis nennt sich A7, soll doppelt so schnell rechnen können wie der iPhone-5-A6-Chip und mit einem Co-Prozessor ausgestattet sein, der sich vor allem um die aufwändigen Bewegungsberechnungen von 3D-Bildern kümmern soll.

Die gezeigte Infinity-Blade-III-Demo war wohl sehr beeindruckend. Aber auch die Implementierung der 64-Bit-Technik, die mit Einführung des iPhone 5s zum ersten Mal auf einem Smartphone zum Einsatz kommt, soll den mobilen Markt aufmischen.

Apple macht es also vor: Hochleistung-Apps wie 3D-Spiele werden dank 64 Bit noch besser aussehen und noch ruckelfreier ablaufen, weil optimierte Games noch mehr aus der Hardware herausholen. Denn auch hier zeigt Cupertino aufs Neue, dass sie beides beherrschen: perfektes Hard- und Software-Desig.

Ob Fotos, Serienbilder oder Videos - das iPhone 5s beherrscht alle Spielarten

Ob Fotos, Serienbilder oder Videos – das iPhone 5s beherrscht alle Spielarten

Ja, der Kamerasensor und die damit in Verbindung stehenden Techniken machen aus dem iPhone 5s das nächste gute Foto- und Video-Smartphone von Apple. Neu hinzugekommen ist ein Doppel-Dioden-Blitz, der für besser ausgeleuchtete Bilder sorgen soll. Zudem soll die Vergrößerung der Pixel noch bessere Video- und Fotoergebnisse liefern.

Die Beispielaufnahmen auf apple.com sprechen eine eindeutige Sprache, falls die Bilder vom iPhone 5s stammen. Aber wer will daran zweifeln.

Apple macht es also wieder einmal vor: offensichtlichen Kleinigkeiten schenkt man viel Aufmerksamkeit, weil Cook, Ive und Co. genau wissen, was ihre Kunden wollen und wie sich Produkte am besten verkaufen lassen.

Das iPhone 5c- Fünf Farben auf einen Streich

Das iPhone 5c- Fünf Farben auf einen Streich

Und ja, das iPhone 5c wird das bunteste Smartphone, dass Apple jemals im Sortiment hatte. Denn mit bunt kennt sich Cupertino schließlich aus. Und noch ein ja, die Außenhülle besteht aus hochwertigem Polycarbonat, das mit Plastik so viel zu tun hat wie eine Kuh mit Schlittschuhlaufen.

Erinnern wir uns doch bitte an das iPhone 3/3GS zurück: welches Material kam da noch mal zum Einsatz? Und dass Apple mit der Einführung des iPhone 5c neue Märkte adressieren will, ist doch mehr als legitim. Das weiß Nokia nur zu gut.

Was das iPhone 5c aber auf keinen Fall ist: es ist kein Billig-Smartphone, das mit kleinen Preisen und billigen Materialien eine ganz neue Zielgruppe erreichen will. Dafür sind die Mitbewerber zuständig. Und außerdem: Leute kaufen das iPhone wegen der Marke, und nicht wegen des Preises. Da spielt es keine Rolle, ob das neue Smartphone von Apple 600, 700 oder 800 Euro kostet.

Darum gilt auch hier: Apple wird es wieder einmal vormachen, wie Produktmarketing at its best funktioniert und warum es Cook & Co. völlig egal sein kann, wenn es nach dem 10.9.2013 ein paar mehr Leute gibt, die sich wegen der überteuerten Preise für eine Plastikhandy echauffieren. Denn Apple ist Apple. Immer. Punkt.

Das Zusammenspiel von Hard- und Software des iPhone 5c ist kein ZufallPost scriptum: Ein weiterer Beleg für die Strategie Apples in Sachen Hardware- und Software-Design ist das Zusammenspiel von iPhone 5c und iOS 7. Oder glaubt das draußen irgendjemand an einen Zufall, warum Smartphone und Betriebssystem in Sachen Farben und Optik so sehr ähneln?

Published by Michael Hülskötter

Ich bin Blogger, IT-Journalist, (Buch-)Autor, Videotrainer, Content Manager - und das alles in einer Person. Ich gehöre seit 1999 der schreibenden Zunft an, und es macht mir immer noch sehr viel Spaß. Lebe seit 1977 in München und habe drei wundervolle Kinder.

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