Duell: HTC Desire aka Google Nexus One vs iPhone

Es soll ja Leute geben, die das brandneue HTC Desire schicker und ausgefeilter finden als das Google Nexus One, das sich der Suchmaschinen-Gigant ja auch von HTC bauen lässt. Nach einigen Stunden des Herumspielens würde ich mal sagen: Das stimmt!

Denn im Gegensatz zum Nexus One hat das Desire seine Steuerbuttons in Hardware-Form auf dem Gehäuse verbaut (im Gegensatz zum Nexus One, das dieselben Steuerknöpfe software-mäßig abbildet). Das mag ja Geschmackssache sein, aber es ist einfach haptischer und gerade unter schwierigen Bedingungen (wie im Winter mit Handschuhen) auch praktischer.

Mein erster Eindruck des HTC Desire (und darum geht es heute hauptsächlich) ist als eingeschworender iPhone-User ein wenig zwiegespalten. Einerseits finde ich vor allem das Multitasking echt toll (das aber auch zur Plage werden kann; dazu später mehr). Andererseits gibt es Dinge, die mich tierisch nerven (wie zum Beispiel der fehlende Datenspeicher; auch dazu gleich mehr).

Um es vorab zu sagen: Das Desire ist jetzt gerade mal 26 Stunden in meinem Besitz, so gesehen kann von einem endgültigen Fazit oder gar einer Präferenz noch gar keine Rede sein. Aber ich hab schon eine Menge ausprobiert (vor allem in Kombination mit meinem Mac), und das Ergebnis ist so schlecht nicht. Aber es gibt durchaus Kritikpotenzial. Aber der Reihe nach…

Multitasking: Bis vor kurzem hat mich die mangelnde Fähigkeit des iPhone, Programme nicht parallel laufen zu lassen (abgesehen vom Musikplayer), nicht wirklich gestört. Und das, obwohl ich am Macbook völlig anders arbeite (wie wohl die meisten Leute). Wenn du aber mal so ein Android-Smartphone in den Händen gehalten hast, weißt du schlagartig, wie nervig das ist, immer ein Programm schließen zu müssen, um ein neues zu starten.

Obgleich das Multitasking-Konzept von Android (noch) eine entscheidende Macke hat: Apps lassen sich nicht explizit beenden! Und das nervt! Wie gut, dass es im Android Market (Appstore) kostenlose Tools gibt, mit denen sich dieser Missstand beheben lässt. Eins davon, Advanced Task Killer, hab ich mir in der Kostenlos-Variante direkt auf das Desire gepackt. Ein Segen!

Fehlender Datenspeicher: Entweder bin ich zu blöd, oder man muss sich tatsächlich erst eine microSD-Karte kaufen, um die vielen Programme überhaupt nutzen zu können. Dazu gehört beispielsweise die Kamera-App, die Musik-App und viele andere mehr. Beim iPhone geht das doch auch ab Werk. Ok, Flashspeicher kostet, aber wenn ich nicht von der ersten Sekunde an mit dem Smartphone vernünftig arbeiten kann, nervt es! Punkt! Bleibt abzuwarten, ob HTC und deren Partner dem Smartphone eine SD-Karte beilegen. Ich hab mir jedenfalls gerade 16GB für 36 Euro bei Amazon bestellt.

Volle Social-Media-Integration: Schon beim Einrichten des Desire kann man seine Social-Media-Daten eintragen. Ob Twitter, Facebook oder Flickr – sofort steht man mit der Welt in Kontakt. Das geht sogar so weit, dass im Telefonregister automatisch sämtliche Facebook-Kontakte samt Telefonnummer angezeigt werden. Sehr praktisch! Das kann das iPhone leider nicht.

Mac-Anbindung auf Umwegen: Klar, dass mich vor allem interessiert hat: wie sieht es mit dem Datenaustausch zwischen meinem Macbook und dem HTC Desire aus? Erster Eindruck: ab Werk nicht vorgesehen. Warum auch sollte Google Apple unterstützen?! Bei meiner Recherche fand ich allerdings heraus, dass Apple in Bezug auf Google nicht so zickig ist. Denn die Kalender-App iCal sieht unter „Einstellungen“, „Accounts“ die Möglichkeit vor, einen Google-kompatiblen Kalender anzulegen. Sobald das geschehen ist, kann man neue Termine in diesen Kalender eintragen, die dann automatisch mit Google Kalender synchronisiert werden. Umgekehrt funktioniert das leider nicht: Im Google-Kalender gelöschte Termine werden nicht automatisch in iCal eliminiert.

Fast genauso verhält es sich mit dem Adressbuch und der Adressfunktion von Google Mail: Im Apple Adressbuch besteht die Möglichkeit, über „Einstellungen“, „Accounts“ die vorhandenen Kontakte mit der Google-Kontaktfunktion zu synchronisieren. Das Synchronisieren zwischen Google und Mac funktioniert in meinem Fall übrigens nur deshalb problemlos, weil ich MobileMe verwende und ein iPhone samt iTunes besitze. Andere Konstellationen müssen separat betrachtet werden.

Tipp: Auf einem Mac gibt es natürlich eine weitere Möglichkeit, Daten zu synchronisieren, allerdings nur gegen Geld. Das bekannteste Tool hierfür heißt Missing Sync for Android (40 Dollar), das die Aufgaben von ActiveSync oder HTC Sync übernimmt, die beide nur unter Windows laufen. Was aber auch bedeuet, dass man das Problem eventuell mit einer Virtualisierungssoftware wie VMWare Fusion oder Parallels Desktop beheben kann.

Offenes System: Im Gegensatz zum iPhone handelt es sich beim HTC Desire ja dank Android um ein offenes System. Das bedeutet vor allem, dass man sämtliche Anwendungen installieren und deintallieren kann, die es gibt bzw. die man nicht mehr braucht. Darüber hinaus lässt sich die Bedienoberfläche so gestalten, wie man es will, und das sogar mithilfe kleiner Apps, der sogenanten Widgets. Das geschieht alles sehr komfortabel mit wenigen Fingertipps und erhöht den Bedienkomfort merklich.

Fehlende Musik-Sync-App: Da sich iTunes und das HTC Desire nicht verstehen, lässt sich auf das Android-Smartphone via Mac keine Musik packen. Aber auch hier gibt es bereits Abhilfe: das (noch) kostenlose Programm doubleTwist erkennt eine Menge an unterschiedlichen Smartphones und stellt dann eine Art iTunes für Android zur Verfügung, mit der sich die iTunes-Mediathek auf das HTC Desire kopieren lässt. Merke: Ohne eine microSD-Karte funktioniert das leider nicht! Darüber hinaus kann man mit doubleTwist im Android Market nach neuen Apps und in Amazon nach neuen MP3s suchen und diese auf das Smartphone laden.

Display und Bedienung: Am Display merkt man vor allem, dass das iPhone mittlerweile drei Jahre alt ist (inklusive Entwicklungszeit noch älter) und das HTC Desire zur aktuellen Smartphone-Generation gehört. Denn mit der Bildschirmtechnik AMOLED leuchtet das Display heller und die Farben und Kontraste sind auch viel überzeugender. Allerdings reagiert der Touchscreen, obwohl ebenso kapazitiv wie beim iPhone, nicht immer so sensitiv wie der des iPhone. Na ja, das haben andere vor mir auch schon herausgefunden. Über die Bedienknöpfe des Desire hab ich mich ja bereits lobend geäußert.

Ach ja: Nicht zu vergessen ist das optische Bedienelement auf der Vorderseite des Desire, das die Nutzung des Smartphones mit Handschuhen erlaubt, da man ganz ohne Touchscreen auskommt. Auch ein wichtiges Plus, vor allem ob der langen Winter…

Fazit: Mein erstes Zwischenfazit nach gut einem Tag HTC Desire ist durchaus postiv. Android ist schon cool (wenngleich noch mit Macken), das Open-System-Konzept überzeugt und die Social-Media-Integration ist ein Traum. Aber vor allem das Speicherkonzept und die mangelhafte Mac-Unterstützung ab Werk sind nicht gerade überzeugend. Mal sehen, wie sich die nächsten Tage entwickeln. So, stay tuned…

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