Die wichtigsten Features von iPhone OS 4


Gestern, ziemlich pünktlich um 19:00 Uhr MESZ, war es mal wieder soweit (ich war leider ein wenig zu spät dran, hatte aber zum Glück nix Wichtiges verpasst): Steve Jobs betrat im firmen-eigenen Auditorium die Bühne und zeigte die nächste Version des iPhone OS. Mit der Version 4 sollen rund 100 neue Features auf iPhone, iPad und iPod touch kommen.

Sieben davon zeigte Jobs schon mal vorab. Das Gute daran: Software-Entwickler können iPhone OS 4.0 ab sofort auf ihren Rechner laden und damit herumspielen. Und dafür haben sie noch ausreichend Zeit, denn das Update steht erst im Laufe des Sommers zur Verfügung. Für iPad-Besitzer sogar erst im Herbst. Leider!

100 neue Features sollen es also sein, die in ein paar Wochen auf iPhone und iPod touch landen werden. Entwickler und Anwender können sich auf viele schöne neue Dinge freuen wie den verbesserten Bluetooth-Keyboard-Support (vermutlich am ehesten fürs iPad gedacht), Playlisten, digitalen Zoom, Geortagging und vieles mehr. Zu diesem “vieles mehr” gehören aus Apple-Sicht vor allem sieben Dinge, die gestern mehr oder weniger detailliert vorgestellt wurden:

  1. Multitasking
  2. App-Verzeichnisse
  3. verbesserte Mail-App
  4. iBooks
  5. neue Firmen-Tools
  6. eigene Vermarktungsplattform iAd
  7. Game Center

Ich will jetzt gar nicht so sehr im Einzelnen auf all diese neuen Features eingehen (die gibt es auf der zugehörigen Webseite sehr schön dargestellt), sondern nur das ein oder andere ein wenig kommentieren.

Multitasking (MT): Was Steve Jobs gestern wie das Heilige Gral angekündigt hat, beherrschen Smartphones von Nokia und Konsorten schon seit rund drei Jahren. Aber gut, es kommt endlich auf iPhone und iPad, und das ist auch gut so. Ich hätte nämlich bis zu meiner ersten Erfahrung mit einem MT-tauglichen Gadget nicht gedacht, dass es solch einen Unterschied ausmacht, auch auf einem Smartphone mit mehreren Apps gleichzeitig hantieren zu können (wenngleich einige Leuten meinen, sie brauchen solchen Schnickschnack nicht). Angeblich hat ja Apple einen Weg gefunden, wie sie trotz MT die Batterielaufzeit hoch halten. Na, mal sehen… Zumindest scheint die Implementierung der Background-APIs recht einfach sein: So benötigten die Pandora-Entwickler laut eigenen Angaben gerade mal einen Tag, um ihre App MT-tauglich zu machen.

App-Verzeichnisse: Apple nennt dieses neue Feature “Ordner” und bietet damit die Möglichkeit, mittels einfachem Drag&Drop App-Verzeichnisse zu erstellen. Damit lassen nicht mehr “nur” noch 180, sondern über 2.000 Apps auf iPhone und Co. installieren. Na gut, wer’s braucht. Hübsch gelöst ist auf jeden Fall das automatische Anlegen und Benennen eines neuen Ordners. Der Name des Verzeichnisses entspricht nämlich der iTunes-App-Kategorie, aus der die Anwendung stammt. “Ordner” werden iPhone und iPad übersichtlicher machen, keine Frage.

E-Mail-App: Nein, die E-Mail-App ist natürlich nicht neu, wurde aber deutlich verbessert. So wird es möglich sein, sämtliche E-Mails verschiedener Konten in einer einzigen Inbox einlaufen zu lassen. Das wurde auch wirklich Zeit, denn nichts nervt mehr als das ständige hin- und herspringen zwischen den Mail-Inboxen. Toll ist auch die Möglichkeit, Mail-Anhänge mit der passenden App zu öffnen (und zu bearbeiten). Das ist vor allem für iPad-Anwender wichtig, die beispielsweise mit der angepassten Version von Pages in Zukunft Texte auf ihrem Tablet-PC editieren wollen. Nützlich ist auch die Möglichkeit, mehr als nur ein Exchange-Konto anlegen zu können. Damit nähert sich Apple der Geschäftskundenwelt wieder ein wenig mehr an.

iBooks: Der Knüller! iBooks fürs iPhone. Und als eBook-Probepackung Winnie the Pooh gibt’s gratis dazu. Na, wenn das mal kein Hammer ist. Und vor allem alle iPad-Besitzer tangiert.

Neue Firmen-Tools: Wie man schon anhand der multiplen Exchange-Konten erkennen kann, geht Apple mit iPhone OS 4 einen weiteren Schritt auf die Geschäftskunden dieser Welt zu. Darüber hinaus lassen sich mit dem Update Mail-Anhänge verschlüsseln, längere Kennwörter vergeben, iPhones und iPad im Unternehmen zentral verwalten (und das sogar drahtlos) und VPN-SSL-Verbindungen herstellen. Das macht iPad und iPhone noch business-tauglicher. Recht so!

iAd: Auf seiner gestrigen Keynote teilte Steve Jobs der Welt unverblümt mit, was er von der klassichen Bannerwerbung in mobilen Apps hält: “It sucks!”. Das kann man so sehen, da Bannerwerbung auf iPhone und Konsorten noch weniger funktioniert als auf klassischen Rechnern, nämlich gar nicht. Daher geht Apple mit iAd einen eigenen Weg, wie die mobile Werbung doch noch funktionieren könnte. Das Geheimnis liegt laut Jobs in der Kombination aus Emotion und Interaktion. Soll heißen, dass es in Zukunft Werbeplätze innerhalb einer App geben wird, die Apple selbst vermarket und an die hohe Ansprüche gestellt werden. Natürlich ist das nicht kostenlos: Apple bekommt 40 Prozent der Einnahmen, der Entwickler den Rest. Was Jobs in seiner Keynote an möglichen Werbeformen gezeigt hat, könnte tatsächlich funktionieren. Man wird sehen… Ach ja: Einen Seitenhieb in Richtung Adobe Flash konnte sich Mister Jobs natürlich nicht verkneifen: iAds basiert ausschließlich auf HTML5. No Flash, Madame!

Game Center: Auch bei Apple hat es sich schon herumgesprochen, dass Spiele eine der Killerapplikationen sind und sein werden und dass zudem Social Media ein immer wichtigeres Thema sein wird. Daher spendiert Cupertino dem iPhone OS 4 einen Game Center, also ein soziales Spielenetzwerk. Mithilfe des Game Centers lassen sich Freunde zu einer Partie Schach einladen, Multiplayer-Sessions initiieren und Highscores miteinander vergleichen. Allerdings wird Game Center wohl nicht sofort verfügbar sein, sondern laut Apple erst im Laufe des Jahres – was immer das bedeutet.

Fazit: Revolutiernär ist iPhone OS 4 nicht, dafür sind die neuen Features allesamt nicht neu genug. Aber gerade die Verbesserung des Geschäftseinsatzes von iPhone und iPad sowie die Vermarktungsplattform iAd birgt für Anwender und Entwickler mehr Möglichkeiten.


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