CeBIT 2017: Ulrich Reiser von Unity Robotics über den Saturn-Roboter „Paul“

Auf dem BITKOM-Stand anlässlich der CeBIT 2017 habe ich dieses Videointerview mit Dr. Ulrich Reiser von der Firma Unity Robotics geführt. Darin spricht er über einen Roboter „made in Germany“ namens Paul, der derzeit in der Saturn-Filiale Ingolstadt seine Kreise zieht. Während des Gesprächs erfuhr ich eine Menge über Paul, seine Biografie, seine Einsatzmöglichkeiten und welchen Aufwand es bedeutet, Paul für andere Zwecke anzupassen.

Meine erste Frage war ziemlich naheliegend: Warum setzt man einen Roboter wie Paul in einem Elektronikfachmarkt wie Saturn ein? Paul entstammt der Idee , eine Robotergeneration zu entwickeln, die unter anderem im Dienstleistungssektor eingesetzt werden kann. Hierfür kommen diese Roboter in den Varianten „mit Arme“ und „ohne Arme“ zum Einsatz.

Fraunhofer Institut entwickelt seit 1995 Roboter wie Paul

Interessiert hat mich natürlich auch die „Biografie“ von Paul. Bereits 1995 hat das Fraunhofer Institut damit begonnen, den Care-o-Robot (so der offizielle Name dieser Roboter-Familie) als Haushaltshilfe zu entwickeln. Damit soll speziell älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. Dabei standen zunächst die Navigation und Manipulation in menschlichen Umgebungen im Vordergrund.

Bei der dritten Generation von Care-o-Robot stand dann die Nutzerakzeptanz ganz weit oben. Mit der vierten Generation, zu der auch Paul gehört, hat man sich bei Fraunhofer über das Thema Wirtschaftlichkeit Gedanken gemacht. Dabei haben die Wissenschaftler und Ingenieure speziell auf die Modularität der Care-o-Robot-Maschinen geachtet.

Paul weist eine emotionale Intelligenz auf

Doch wie gelingt es, Paul als sympathischen und freundlichen Roboter darzustellen? Auch darüber haben die Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts viel nachgedacht. Das führte dazu, Paul als echten Charakter zu konzipieren. Dazu gehört unter anderem, dass der Roboter Menschen auch als solche erkennt und mit ihnen interagieren kann.

Damit verbinden viele Menschen laut Herrn Reiser einen gewissen Grad an Intelligenz, was für die Akzeptanz eines Roboters wie Paul unbedingt erforderlich ist. Dazu gehört auch eine bestimmte Form der emotionalen Intelligenz, die Paul vorzuweisen hat. Das äußert sich beispielsweise darin, dass Paul die Blickrichtung eines Menschen erkennt und darauf entsprechend reagiert.

Care-o-Robot wird kommerziell: Modularität ist hierfür entscheidend

Zu der bereits angesprochenen Wirtschaftlichkeit von Care-o-Robot 4 zählt auch die Forderung, einen Roboter wie Paul für andere Einsatzgebiete „fit“ zu machen. Wie es damit genau aussieht, wollte ich gerne wissen. Antwort von Dr. Reiser: Eine eigene Firma, die aus dem Fraunhofer-Projekt entstanden ist, kümmert sich verstärkt um die Kommerzialisierung von Care-o-Robot 4.

Care-o-Robot-4-Roboter weisen einen hohen Modularitätsgrad auf

Ziel dabei ist es, Roboter wie Paul reproduzierbar zu machen, damit die Stückkosten für solch eine Maschine gesenkt werden können. Das bedeutet auch, dass es ein großes Potential für vergleichbare Roboter wie Paul gibt, die beispielsweise in Hotels oder Krankenhäusern zum Einsatz kommen können. Der Vorteil: Aufgrund der sehr guten Modularität ist die Anpassung eines Care-o-Robot-4-Roboters mit relativ geringem Aufwand möglich.