Apple, mal wieder! ODER Was von den Quartalszahlen zu halten ist

Gestern war es mal wieder soweit: da haben Tim Cook, CEO von Apple, und Peter Oppenheimer, Finanzchef des Unternehmens, sehr stolz und sehr glücklich die Zahlen des ersten Geschäftsquartals 2012 ihrer Firma verkündet. Und klar, betrachtet man die reinen Zahlen, so ist es mal wieder gewaltig, was dieses Unternehmen aus Cupertino, Kalifornien, innerhalb von nur 14 Wochen bis zum 31. Dezember 2011 geleistet hat. So lesen sich die Fakten wie folgt:

  • Umsatz: 46,33 Milliarden US-Dollar (Q1-11: 26,74 Mrd. Dollar, das ist ein Anstieg um fast 20 Mrd. Dollar)
  • Nettogewinn: 13,06 Mrd. Dollar (Q1-11: 6 Mrd Dollar, was einem Zuwachs von gut 7 Mrd. Dollar entspricht)
  • Bruttogewinnspanne: 44,7 Prozent (Q1-11: 38,5 Prozent)

Um dieses wirklich sehr gute Ergebnis zu erzielen, musste sich Apple gewaltig strecken: so wurden nach eigenem Bekunden über 37 Millionen iPhone, nicht ganz 15,5 Millionen iPad, gut 5 Millionen Mac-Computer und mehr als 15 Millionen iPod verkauft. Das sind im Vergleich zum ersten Quartal 2011 mehr als doppelt so viele iPhone und iPad und eine 26-prozentige Zunahme an Mac-Umsätzen. Lediglich beim iPod hat Apple fast schon traditionell geschwächelt: die MP3-Player gingen umsatzmäßig um 21 Prozentpunkte zurück. Aber klar: wer sich ein iPhone kauft, braucht keinen iPod zum Musik hören.

Und was sagen uns all diese Zahlen? Nun, daraus lassen sich diverse Erkenntnisse ableiten:

  • Zweifelsohne hat sich das iPhone 4S dank Siri als echter Verkaufsschlager entpuppt, aller Unkenrufe zum Trotz. Offensichtlich reicht vielen Anwender ein sprachgesteuerter Assistent als wirkliche Neuerung schon aus, um sich für ein Smartphone zu entscheiden, das vielen Kritikern nach wie vor zu teuer, zu geschlossen und zu apple-ig ist. Aber gut, 37 Millionen Käufern war das ziemlich egal.
  • Der für 2012 bereits eingeläutete Abgesang auf die Vorherrschaft Apples in Sachen Tablet-PC muss erst einmal aufgeschoben werden. Denn wer mehr als 15 Millionen iPad in einem einzigen Quartal verkauft, dem muss nicht bange werden um einen Markt, auf dem sich so gerne die Größen der Branche tummeln würden, aber kaum einer das Zeug (und die Technik) dazu hat, Cupertino wirklich ans Bein zu pinkeln. Mal sehen, ob und wann der große Umschwung zugunsten von Asus, Samsung & Co. in Sachen Tablet-PC kommt.
  • Eine erneute Steigerung der Bruttogewinnspanne auf fast 45 Prozent muss neutrale Betrachter Tränen in die Augen schießen lassen – und leichtes Unbehagen ob des Zustandekommens solcher Zahlen. Klar, Apple freut sich natürlich darüber, dass aufgrund dieses Ergebnisses weitere 17,5 Milliarden US-Dollar zum Barmittelbestand hinzugekommen sind, aber in der Konsequenz heißt das auch: Apple hat seine Kosten enorm im Griff. Damit das alles ineinander greift und solch ein hoher Gewinn erzielt werden kann, muss vor allem die Produktion von iPhone, iPad und Konsortien äußerst effizient erfolgen.

Und gerade darum hat sich Steve Jobs zeitlebens immer sehr intensiv gekümmert, denn er wusste wohl sehr früh: jeder Lohnposten, der nicht von Apple selbst, sondern von sogenannten „Partnerfirmen“ bezahlt wird, spart bares Geld. Und so verhält es sich natürlich auch mit Produktionsstätten, die Apple nicht selbst bauen und betreiben muss. Und von einem Netzwerk an gut aufeinander abgestimmten Zuliefererfirmen ganz zu schweigen.

All diese Praktiken führten und führen dazu, dass Apple seine Produkte sehr kosteneffizient bauen lassen kann, was sich natürlich wiederum günstig auf die Ausgaben und damit günstig auf die Gewinne auswirkt. Das es dabei aber nicht immer ganz geräuschlos abgeht und was Apple gegen aufkeimende Unruhe bezüglich seiner Geschäftspraktiken tut, könnt ihr auf m-magazin.net nachlesen, wo ich mir meine Gedanken dazu gemacht habe.

Published by Michael Hülskötter

Ich bin Blogger, IT-Journalist, (Buch-)Autor, Videotrainer, Content Manager - und das alles in einer Person. Ich gehöre seit 1999 der schreibenden Zunft an, und es macht mir immer noch sehr viel Spaß. Lebe seit 1977 in München und habe drei wundervolle Kinder.

%d Bloggern gefällt das: