Mit dem iPhone erfüllt mir Apple gleich zwei Wünsche: Einen PDA von Apple, wenn auch leider nicht eine moderne Ausgabe des Newton, und ein Handy von Apple. So weit so gut. Der Wermutstropfen: Nach Europa kommt das iPhone erst Ende des Jahres. In den USA immerhin schon im Juni. Genug Zeit, um den doch recht happigen Preis anzusparen. Er liegt bei 499 und 599 US-Dollar, je nach Speichergröße (4 und 8 Gbyte). Die deutschen Preise werden wohl traditionell gleich lauten, nur eben mit einem Euro-Währungszeiten.
Aber hat Apple tatsächlich das Handy neu erfunden? Ja, hat es! Und zwar genauso wie Apple mit dem Mac den PC und mit dem iPod den MP3-Player neu erfunden hat. Dazu zählen das Design, die Steuerung und die Funktionen. Alles ist revolutionär und neu.

Keine Frage, das iPhone schaut rattenscharf aus: Klein, schwarz, mit einem chromglänzenden Rand und sehr dünn. Wähltasten gibt es nicht. Statt dessen besteht fast die gesamte Oberfläche aus einen berührungsempfindlichen Bildschirm. Ein Laie würde beim ersten Blick eine Stiftbedienung wie bei einem PDA erwarten. Aber die gibt es auch nicht. Gesteuert wird das iPhone ausschließlich mit den Fingern. Dahinter verbirgt sich eine neuartige, patentierte Benutzeroberfläche, die ausschließlich mit den Fingern gesteuert wird.
Jeder, der schon einen stiftbasierten PDA, wie etwa einen Palm, versucht hat per Finger zu bedienen, wird zunächst skeptisch sein. Tatsächlich aber ist die iPhone Benutzeroberfläche so ausgelegt, dass sie beispielsweise unabsichtliche Eingaben erkennt und auch mit den im Vergleich zu einem Stift “dicken” Fingern gesteuert werden kann.
Zumindest erweckten die Live-Demonstration von Steve Jobs, Phil Shiller und Jonathan Ive während der Macworld-Keynote diesen Einruck. Was von der Benutzeroberfläche während der Präsentation auf der Großleinwand live zu sehen war überzeugte: Ein Fingerwischer über das Adressbuch und die Einträge rauschen dynamisch über den Bildschirm wie bei einem Rollodex, welches durch ein Wurmloch direkt aus der Zukunft auf die Erde fiel. Und wenn Fingergesten nicht genügen, wird eine Onscreen-Qwerty-Tastatur eingeblendet.
Das iPhone wäre kein echtes Apple-Produkt, wenn es nur ein einfaches Handy wäre. Tatsächlich ist es auch Communicator, mobiles Internet-Terminal, Taschencomputer und iPod. Dahinter verbirgt sich ein spezielles Mac OS X, was erklärt warum die verschiedenen Funktionen und Programme an gedopte OS-X-Widgets erinnern.
An Funktionen gibt es zumindest auf den ersten Blick alles, was man sich von einem mobilen Gerät nur wünschen kann: Quad-Band-Telefon, Messaging, Adressbuch, mobiles Safari zum surfen im Internet, eine 2-Megapixel-Kamera, WLAN und diverse andere Funktionen. Alles kann mit Mac und PC synchronisiert werden, wobei .mac genauso unterstützt wird wie Exchange (das unsägliche Outlook) Google Gmail und – man höre und staune: Yahoo-Mail.
Revolutionär ist die Voicemail, sprich der Anrufbeantworter: Alle eingegangen Nachrichten werden angezeigt und man kann die auswählen, die man anhören will. Das heißt, man muss die Messages nicht in chronologischer Reihenfolge abhören wie bisher. Eine echte Erleichterung für Vieltelefonierer.
Das iPhone steckt voller Sensoren, die je nach dem, was man mit dem Gerät macht, entsprechende Funktionen aktivieren. Ein Lagesensor merkt, wenn man das Handy von Hochkant auf Waagrecht dreht und ändert entsprechend die Anzeige. Hebt man es zum Ohr, wird automatisch das Display und der Ton ausgeschaltet und ein Lichtsensor erkennt die Helligkeit des Umgebungslichts und passt entsprechend die Leuchtstärke an.
So ganz nebenbei ist das iPhone auch noch gut, um RIM, den Herstellr des Blackberry in Angst und Schrecken zu versetzen. Es unterstützt neben IMAP und POP auch einen neuen IMAP-Push-Service von Yahoo!. Warum Apple solch einen Dienst über .mac nicht selbst bereitstellt sei dahingestellt. Tatsache ist, dass ein moderner Communicator ohne Push-E-Mail Steinzeit ist. Jeder, der schon mal einen Blackberry benutzt hat, kann das bestätigen.
Es fällt überhaupt auf, dass Apple die großen Web-Dienstleister stark eingebunden hat. Hat man zusammen mit Yahoo! den Push-Dienst realisiert, liefert Google den Kartendienst Google-Earth zu, der allerdings erst im Zusammenspiel mit der iPhone-Software zu wahren Höhenflügen ansetzt. Unterwegs mal sehen, wo man gerade ist oder wo man hin muss, Adressen abfragen und Satelittenkarten ansehen, auf keinem anderen mobilen Device geht das – zumindest suggerierte das die Demo – so einfach wie mit dem iPhone.
Nicht zu verschweigen ist auch noch die iPod-Funktion. Je nach Modell gibt es 4 oder 8 GByte Speicher. Vor allem ist das iPhone aber der erste Breitbild-iPod: Auf dem vergleichsweise großen Bildschirm lassen sich Videos im Querformat betrachten.
Link: iPhone-Infos bei Apple (US)
Fotos: Apple
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