
Apple iBooks Author
Ich habe mir gerade mal ein wenig den Spaß erlaubt, die bisherigen Kritiken zu Apples neuestem Streich, iBooks Author, zu Gemüte zu führen. Mit diesem kostenlosen Tool sollen Autoren, Lehrer, Studenten, Schüler und Wer-weiß-ich-noch eine kostenlose und intuitive Anwendung zur Verfügung gestellt bekommen, ihre eigenen digitalen Bücher und Dokumente zu erstellen und zu verteilen. Ich habe die Software schon ein wenig getestet (ein erster Eindruck ist schon online, weitere folgen), und ich muss sagen: Apple halt.
Was mich aber wirklich ärgert, sind ein paar Annahmen und Unterstellungen, die vor allem in besagten Kommentaren im Mac App Store auftauchen. Und all diesen Leuten rufe ich zu: “Leute, ihr ihr liegt mit euren Annahme teils ganz schön daneben!”. Um dies auch zu belegen, folgt hier meine – sehr persönlich gehaltene – Top-5-Liste der häufigsten iBooks-Author-Irrtümer.
1. Apple will sich mithilfe des zugehörigen Lizenzvertrags sämtliche Rechte am Buch sichern!
Mein Kommentar dazu: Schwachsinn! Man darf digitale Bücher, die mithilfe von iBooks Author erstellt werden, lediglich über den “Vertriebsweg” Apple verkaufen, also über den iBooks Store. Damit tritt man allerdings keinerlei Rechte an Cupertino ab. Das wäre auch nicht rechtens. So dreist ist selbst Apple nicht. Und nur mal so: Software-Entwickler kennen diesen Exklusiv-Vertrieb über den iTunes App Store schon seit Jahren.
2. Apple will die Konkurrenz wie zum Beispiel Amazon außen vor halten!
Wieder Schwachsinn! Ja, das mit iBooks Author erstellte Werk darf zu kommerziellen Zwecken nur über den iBooks Store verkauft werden. Und dafür behält Apple sogar eine Beteiligung von 30 Prozent an den Verkaufserlösen ein. Skandalös. Aber auch hier sei erstens auf den App Store verwiesen, zweitens stellt Apple das komplette Ecosystem bereit und drittens kostet iBooks Author nichts. Sehr euch mal Authoringsoftware anderer Anbieter an: die kosten richtig Geld, und die Lizenzbedingungen sind auch nicht wirklich autorenfreundlicher.
3. Die Beschränkung auf das apple-eigene iBooks-Format ist skandalös!
Ja, ist sie das?! Ich sage eher: diese Behauptung ist skandalös – oder hanebüchen. Oder beides! Denn fragt mal nach bei Amazon, wie der günstige Preis des Kindle zustande kommt. Dort arbeitet man ebenfalls mit einem eigenen, also proprietären Format, das nur auf dem Kindle funktioniert. Und solange man sein mit iBooks Author erstelltes Werk nur zu privaten Zwecken einsetzt (zum Beispiel in der Schule oder an der Uni zu Vorlesungszwecken), der kann sein eBook auch im PDF-Format abspeichern – und damit auf jedwedem Gerät darstellen.
4. Schade, dass es keine Vorlagen für Fachbücher gibt!
Leute, iBooks Author ist ein Authoringtool, mit dem sich einfach und intuitiv digitale Bücher erstellen lassen, die vor allem einen Zweck verfolgen: interaktiven Spaß auf dem iPad. Hierfür lassen sich Bilder, Videos, 3D-Grafiken, interaktive Grafiken, Webseiten, Keynote-Präsentationen und sogar HTML5-Content einbauen, und das alles sehr unkompliziert im gewohnten Apple-Stil. Es sollen mit der Software eben keine 08/15-eBooks entstehen, sondern Multimedia-Bücher, die das Potenzial des iPads voll ausreizen. Wer etwas anderes erwartet, sollte iBooks Author am besten erst gar nicht installieren respektive auf seinen Mac laden.
5. Man kann das eigene Buch nicht auf dem Mac testen, sondern nur umständlich am iPad!
Ja, und das ist auch gut so! Denn wofür betreibe ich denn den ganzen Aufwand? Damit das eBook auf dem Mac läuft? Nö, es soll auf dem iPad gut aussehen und sich dort genauso verhalten, wie ich mir das vorstelle. Und per Mausklick gelangt das digitale Werk auf dem via USB angeschlossenen iPad, und das ohne größere Umstände. Damit kann das Verhalten des digitalen Werk direkt getestet und begutachtet werden. Wozu dann noch einen Emulator für den Mac, der das Verhalten am iPad nie zu zuverlässig darstellen kann wie am Gerät selbst?!
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